Bumbumcha in Lederhose: Voxxclub in Baunatal

Ein Abend mit Unterhaltungswert, besser als die Samstagabendshow im Fernsehen: Voxxclub in Baunatal. Foto: Schachtschneider

Voxxclub liefern in der ausverkauften Baunataler Stadthalle eine professionelle, fantastische Show. Die Besucher sind nach fast drei Stunden vor Begeisterung aus dem Häuschen.

Von Andreas Köthe

Baunatal. Bumbumcha, Bumbumcha, Bumbumcha, Bumbumcha. Die Schlagzeugfigur, 1977 vom Queen-Gitarristen Brian May im Kreißsaal des Glamourrocks entbunden und als „We will rock you“ getauft, verhalf 2013 der A-cappella-Formation Voxxclub zu einer überraschenden Erfolgsgeschichte.

Die sechs Studenten aus Österreich, der Schweiz und Deutschland, die sich Samstagabend in der ausverkauften Baunataler Stadthalle die Ehre gaben, ließen sich von Musikmanager Martin Simma eine Karriere-Matrix entwerfen und landeten mit jenem Bumbumcha als Basis ihres Songs „Rock mi“ einen Hit. Der spülte sie bis in den deutschsprachigen Schlagerhimmel, in Sichtweite zu Helene Fischer und Andreas Gabalier. Simmas Rezept: Er verpasste den gutaussehenden, talentierten Burschen ein Boygroup-Image, schickte sie mit Lederhose und chartpoliertem Sprengstoff bewaffnet mitten in das Krisengebiet Volksmusik und füllte die Leere des Konzepts mit einer Choreografie, die dem Dirndl-Chica genauso gefällt wie der schunkelgestählten Rentnerin und dem ausgebufften Festzeltprofi.

Herausgekommen ist eine Band, deren Protagonisten zwischen nett, frech und brav außer ihren hervorragenden Stimmen ihre wohlgeformten Hintern und Muskeln in ein Live-Programm einbringen, dass komplett auf Partystimmung ausgelegt ist.

Noch bevor der erste Chippendale-Klon des Voxxclubs die Bühne betrat, hatte sich das Publikum selbstständig eingegroovt und beim Warm-up mit Anheizer Eidgenosse sämtlicher Hemmschwellen entledigt. Es sollte ein Abend mit hohem Unterhaltungswert werden. Als ausgebildete Musicalkünstler hatten die Jungs einiges zu bieten. Tanzeinlagen, Moderation und die detailliert arrangierten Bühnenbilder wurden ganz nah am Auditorium inszeniert. Die bestuhlte Veranstaltung wurde zum Stehkonzert, veredelt mit geschmackvollen Videoeinspielungen und einem sehr guten Sound. Der Flashmob mit Gästen auf der Bühne, „Let me entertain you“ und ein Musicalmedley gehörten zu den Höhepunkten. Dass Voxxclub Beatboxing in die biergetränkten Weißwurst-Arenen der Nation katapultieren, kann man verzeihen. Rap und Graffiti als Ausdruck sozialer Ungerechtigkeiten sollte man nicht stussigen Partytempeln opfern. Auch die besungenen Heimatgefühle im Stile eines Hansi Hinterseer klangen etwas krude.

Nach fast drei Stunden und mehreren Zugaben war Schluss. Das bunt gemischte, oft in Tracht und Lederhose von weit angereiste Publikum belohnte die fantastische Show mit stehendem Applaus. Aber gesessen hatte ja sowieso niemand.

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