Auch Kasseler ausgezeichnet

Ein Bundespräsident der Herzen: Norbert Lammert erhält Jacob-Grimm-Preis in Kassel

Verdienste um die deutsche Sprache: Die Preisträger (von links) Knut Cordsen, Moderator der Radiosendung „Sozusagen!“ in Bayern 2, der ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert und Daniel Keding, Geschäftsführer von „Klasse! Wir singen“. Foto: Schachtschneider
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Verdienste um die deutsche Sprache: Die Preisträger (von links) Knut Cordsen, Moderator der Radiosendung „Sozusagen!“ in Bayern 2, der ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert und Daniel Keding, Geschäftsführer von „Klasse! Wir singen“.

Kassel. Norbert Lammert hat am Samstag in der Kasseler Stadthalle den Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache entgegen genommen. Er war nicht der einzige Preisträger.

Auch Jacob Grimm, der dem am Samstag in der Kasseler Stadthalle verliehenen Kulturpreis Deutsche Sprache den Namen gegeben hat, war Abgeordneter.

Der Jurist, Sprach- und Literaturwissenschaftler gehörte 1848 der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche an: „Aber er konnte sich mit dem parlamentarischen Betrieb nie anfreunden.“ Daran erinnerte der Germanist Günter Blamberger in seiner Laudatio auf den Mann, der bis vor wenigen Wochen für zwölf Jahre Präsident des Bundestags war und die politische Rede wie wenige beherrscht: Norbert Lammert.

„Zu schön, um wahr zu sein“, nannte Lammert die Würdigung des Präsidenten der Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft. Kleist ist Lammerts Lieblingsschriftsteller, so dürfte es ihn gefreut haben, dass der Kölner Professor in seiner Rede - die mit ausgefeilter Rhetorik, wie alle Beiträge, eines Sprachpreises würdig war - auch auf den Klassiker einging.

Blamberger beschrieb Lammert als „Glücksfall“, lobte dessen Realitätssinn, Aufrichtigkeit und Prägnanz. Er vereine den freien, skeptischen, nonkonformistischen Intellektuellen mit der Verantwortung und Kompromisssuche des Politikers, Worte und Sache stimmten - wieder mit einem Jacob-Grimm-Zitat - bei ihm überein, ohne dass sich Lammert anbiedere. Sprache verstehe er als wichtigstes Mittel der Integration, Selbstverständigung und Identität, weshalb er sich bei tiefem Respekt vor anderen Kulturen glaubwürdig für das Deutsche einsetze.

Dazu nutzte Lammert gleich auch seine Erwiderung, indem er - gerade angesichts des ansonsten detaillierten Regelungsehrgeizes des Gesetzgebers in der Verfassung - seine Forderung nach der Verankerung des Deutschen als Landessprache im Grundgesetz bekräftigte. Auch er zitierte Jacob Grimm: „Was haben wir denn Gemeinsames als unsere Sprache und Literatur?“

Der Staat sei allenfalls für den Stellenwert der Sprache zuständig, bei der Rechtschreibreform hätten die Kultusminister den „richtigen Ehrgeiz an der falschen Stelle entwickelt“. Deutsch, gab Lammert zu verstehen, solle „verbindliches Verständigungsmittel auf dem Schulhof“ sein.

Dem donnernden Beifall zufolge empfanden viele, was Jurysprecher Helmut Glück anfangs gesagt hatte: „Schade, dass sie nicht unser Bundespräsident sind.“ Später signierte Lammert, der am Donnerstag 69 wird, geduldig und mit offenem Ohr für die Besucher. Seinen vielgerühmten feinsinnigen Humor hatte er bereits im Pressegespräch offenbart: Der Preis werde ihn „weder belasten noch beflügeln“. Dem Verein Deutsche Sprache fühle er sich sehr verbunden.

Auf die Frage nach dem Einzug der AfD in den Bundestag sagte Lammert, er stelle ungern Mutmaßungen an, aber in den Landtagen seien deren Vertreter durch einen „rustikalen Umgang mit der deutschen Sprache aufgefallen“.

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