Patrik Ringborg dirigierte beim Kasseler Sinfoniekonzert Werke von Lidholm, Bruch und Bruckner

So bunt kann klassische Musik sein

Bezaubernd gespielt in der Kasseler Stadthalle: Die Solistinnen Eldbjørg (links) und Ragnhild Hemsing sind Schwestern. Foto:  Fischer

KASSEL. Das erste Kasseler Sinfoniekonzert in der neuen Spielzeit des Staatstheaters begann mit einem effektvollen, modernen Stück, gefiel dann mit dem aparten Gastspiel zweier Solistinnen und bewegte zuletzt mit einer großen Sinfonie. Reich an Eindrücken war der Abend mit Generalmusikdirektor Patrik Ringborg und dem Staatsorchester Kassel in der nahezu voll besetzten Stadthalle.

Vom Drohenden bis zum Geheimnisvollen, vom Rankenwerk der Holzbläser bis zum Paukenwirbel und vom Cellosolo (expressiv: Wolfram Geiss) bis zur Apotheose der alten Weise „Innsbruck, ich muss dich lassen“: Farbenreich und Bilder evozierend, wie es ganz nach Ringborgs Geschmack sein dürfte, gab sich eingangs die Komposition „Greetings from an Old World“ des Schweden Ingvar Lidholm: ein Gruß aus dem Jahr 1976, nicht weit entfernt von einer fortschrittlichen Filmmusik-Partitur.

Danach kamen als Solistinnen die norwegischen Schwestern Eldbjørg Hemsing (Violine) und Ragnhild Hemsing (Viola). Mit Musikalität, Charme und geschwisterlicher Harmonie kämpften die beiden fast erfolgreich dagegen an, dass das epigonal-knochenlose Doppelkonzert op. 88 von Max Bruch nicht eben zu den Meilensteinen der Musikgeschichte zählt.

Bezaubernd war der Auftritt allemal - erst recht bei dem sehr schön gespielten, elegisch-liedhaften Zugabenstück des norwegischen Romantikers Ole Bull.

Viel Emphase

Die Stunde der großen Musik schlug mit Anton Bruckners Vierter Sinfonie, der „Romantischen“. Bruckner - da denken viele vor allem an riesige Steigerungswellen, an die Emphase der Blechbläser. Das alles gab es hier auch, doch noch charakteristischer für Ringborgs sensible Handschrift war, dass vieles leicht und fein daherkam, mehr elfenhaft als oberösterreichisch prall.

Komplett wurde das Bruckner-Erlebnis durch die Klasse des Kasseler Orchesters, etwa durch den wunderschönen romantischen Hornruf von Joachim Pfannschmidt oder die „unendliche“ Melodie der Bratschen. Kein Wunder, dass Generalmusikdirektor Ringborg und die Orchestermusiker mit langem Beifall gefeiert wurden.

Von Georg Pepl

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