Bunte Zucker-Diktatur: Das Musical „Vodar Eiland“ ist eine negative Utopie

Gehirnwäsche mittels Propaganda-Show: Darsteller des Musicals „Vodar Eiland“. Foto: Proft

Kassel. Auf Vodar Eiland genießt man die Ruhe. Sorgenfrei leben die Menschen hier in den Tag hinein, lassen sich von popkonzertähnlichen Propagandaveranstaltungen die Gehirne waschen, und sollte es einem doch mal schlechter gehen „einfach nur am Schmeckrad drehen“ – und schon purzeln lustig bunte Süßigkeiten, oder Drogen man weiß es nicht genau, aus einer radförmigen Maschine.

Bereits zum zweiten Mal treten die 45 Jugendlichen mit ihrem dystopischen (= anti-utopischen) Musical „Vodar Eiland“ unter der Leitung von Svenja L. Schröder in Kassel auf. 120 Zuschauer umjubelten die aufwendige Produktion im Dock 4.

Moderner Klassenfeind sind in dem Stück diesmal die Alphabeten. Kommuniziert wird auf Vodar Eiland nur noch mündlich. Oberkommunikator Winston (Markus Schön) und seine Frau Giovanna (Lisanne Schröder) halten das Volk in Schach und sorgen dafür, dass sich kein systemkritisches Wissen verbreitet. Doch wie in jeder guten Dystopie gibt es auch auf Vodar Eiland wieder einen, der alles hinterfragen muss.

„Wozu hab ich Träume, wenn sie doch nur Lüge sind?“, will Schneider Ben (Daniel Boll) wissen und macht sich auf die gefährliche Suche nach der Wahrheit.

Neubesetzung Katharina Messler überzeugt voll und ganz als neue Luise und die Rolle des instrumentalisierten Herrscherkindes, ursprünglich ein Mädchen, wird nun als männliche Figur von Fabian Reinbott neu interpretiert, um so angeblich „die klassisch-theatrale weibliche Oferrolle“ zu hinterfragen. Musikalisch kann die Produktion, mit ihrer auf 10 Musiker gewachsenen Live-Band, voll überzeugen. Auch im Gesang hat Jana Nagy als musikalische Leitung alle Arbeit geleistet. Ein empfehlenswerter Musicalabend, der Spaß macht!

Weitere Vorstellungen: Heute bis Sonntag im Dock 4. Das Stück beginnt jeweils um 18.30 Uhr mit einer Führung am Friedrichsplatz am Vodar-Wagen.

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