So war das Burg Herzberg Festival

Burg Herzberg Festival: Beats statt Beat im Hippie-Land

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Die Band Magic Mumble Jumble begeisterte beim Festival: (von links) Valerie Scheffer, Leah Ujierlinde, Bas Vosselmann, Pim Koppen und Sänger Paul Istance.  

50 Jahre nach Woodstock und im 51. Jahr des Bestehens des Burg Herzberg Festivals ist der Generationswechsel im Hippie-Land endgültig vollzogen – auf und vor den Bühnen. Der Spirit ist geblieben.

„Wenn ich euch sehe, habe ich keine Angst vor der Zukunft“, ruft Paul Istance, Frontmann der international besetzten Folk Pop Band The Magic Mumble Jumble aus Amsterdam am frühen Sonntagabend den zirka 3000 Fans zu, die vor der Freak Stage das Leben, die Liebe und die Musik feiern. Es ist einer dieser Momente, in dem die „Live to Love“-Attitude der Band eine wunderbare Verbindung zum Publikum schafft. Mit einer Musik, die man vor ein paar Jahren niemals auf einem solchen Festival vermutet hätte.

Doch das Publikum ist jünger geworden, trägt statt Batik- und Hendrix- jetzt auch Maiden und Motörhead-Shirts und ist statt ausufernden Jams von Raves geprägt. Als The Magic Mumble Jumble auf der Freak Stage mit den Fans feierten, lieferte auf der Hauptbühne die Allman Betts Band soliden Südstaatenrock. Die Söhne der Allman Brothers Devon (Sohn von Gregg Almen), Duane (Sohn von Dickey Betts) und Berry Oakley jr. spielen Songs ihrer Väter, zum Beispiel „In Memory Of Elizabeth Reed“ nach, haben aber auch Eigenkompositionen im Programm, die (noch) nicht an das Erbe heran reichen – Mainstream Americana. Vor ihrer Bühne applaudieren die etwas älteren Fans dieser Gitarren-Armee, die ein Solo nach dem anderen abfeuert, routiniert und perfekt.

Ähnliches wiederholte sich später bei Graham Nash, der sich quer durch sein respektables Werk von den Hollies über CSN bis zu seinen Solo-Alben spielte. Gitarrist Shane Fontayne und Keyboarder Todd Caldwell sind zwar nicht David Crosby und Stephen Stills, aber Nash ist halt seit über 50 Jahren Festival-erfahren.

Techno und House-Klänge

Dass es auch anders geht, bewiesen am Samstag Meute mit ihren Techno- und House-Gebläse. Da tanzten Großeltern, Eltern und Kinder gemeinsam. Und überall spürte man, dass neue Beats endgültig ein Publikum erreicht haben, das im vergangenen Jahr mit Käpt’n Peng teilweise noch fremdelte.

Den Schulterschluss hatte zwei Tage zuvor aber schon eine Künstlerin vollzogen, die mit ihrer Musik und ihren Botschaften („Ich dachte immer, es wäre ein Mythos, aber euch gibt es tatsächlich“) für mehr als nur einen magischen Festivalmoment sorgte.

Sophie Hunger überraschte am Donnerstag zur Eröffnung mit einem Konzert, über das Schweizer Fans, die ihr nachreisen, sagten, „die kann selbst kaum glauben, wie gut sie heute Abend ist“. Mit atemberaubenden Interpretationen von „Electropolis“, „Tricks“ und „I Opened A Bar“ spielte sie sich in die Herzen und repräsentierte die Gemeinsamkeiten aller Hippie-Generationen: Es geht um mehr, als nur ein paar Songs zusammen zu spielen. Es geht darum, das Leben zusammen zu spielen.

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