Weltmusik aus Mali und Sänger Felix Meyer: Höhepunkte beim Burg Herzberg Festival

+
Weltmusik vom Feinsten: Patrice Bassen und die Formation Tinariwen aus Mali. 

Bad Hersfeld. Wenn das Burg Herzberg Festival – mit 11.000 zahlenden Besuchern schon im Vorfeld wieder ausverkauft – das größte Hippie-Festival Europas ist, dann müssen Coldplay die beliebteste Hippie-Band seien.

Jedenfalls waren Coldplay-Shirts am häufigsten auf dem Festivalgelände zu sehen, das an den vier Festivaltagen von total abgesoffen über durchwachsen bis Sonnenschein pur alle Wetterkapriolen erlebte.

So groß wie die Wetterunterschiede war auch die musikalische Bandbreite an den ersten beiden Tagen. Die Wolf People, wetterfeste Normannen aus der britischen Grafschaft Bedfordshire, waren mit ihren, an Black Sabbath erinnernden Riffs, der zu Unwetter und Schlammwüste passende Festival-Auftakt. 

Dann die erste Überraschung: Pristine aus dem norwegischen Tromsø brachten mit ihrer rothaarigen Frontfrau (und Songschreiberin) Heidi Solheim die Magie der frühen Festivaljahre zurück. Die Musiker sind nach eigenen Angaben bei ihren Eltern mit den Schallplatten der Beatles, Led Zeppelins und Jefferson Airplanes aufgewachsen. Retro-Rock mit Zukunft.

Gong, 1967 in einer französischen Kommune gegründet, waren über Jahrzehnte eine Festival-Kultband, durchlebten etliche Umbesetzungen und ebensoviele Stilwechsel. Der Nachteil der aktuellen Besetzung: Sie versuchte all diese Bandepisoden bei ihrem langen Auftritt wiederzugeben.

Für die erste Festival-Sensation sorgten am Freitag die Tuareg von Tinariwen aus Mali, vermutlich eine der besten Weltmusikbands überhaupt. Mit ihren archaischen, traditionellen Musikinstrumenten, kombiniert mit E-Gitarren und Bass, spielten sie das Publikum in Trance.

„Schön, dass man auch mal so etwas zum Festival eingeladen hat“, sagte ein erfahrener Festivalbesucher zu den ruhigen Folk-Klängen und dem dreistimmigen Gesang von Louis On The Run, die mit ihren an die frühen Fairport Convention/Sandy Denny erinnernden Songs für einen Moment des Innehaltens auf einem turbulenten Festival sorgten.

Felix Meyer bot die Überraschung des Burg Herzberg Festivals. 

Übertroffen wurde diese Stimmung noch von Felix Meyer, der alles überragenden Überraschung des Festivals. Dokumentarische Popmusik mit deutschen Texten, endlich eine Nachfolge für die sich nur noch wiederholenden Element Of Crime. Mit Texten wie „Diese Welt kann man nicht ernst nehmen“ und Ansagen wie „Es ist leider wieder an der Zeit, Anti-Kriegslieder zu schreiben“, zeigte Felix Meyer, dass deutschsprachige Musik viel mehr hervorbringen kann als die aktuelle neue deutsche Betroffenheit von Poisel, Giesinger und Co.

Eine Besprechung des letzten Festivaltages mit dem Auftritt von Patti Smith lesen Sie in unserer Dienstagsausgabe.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.