Matsch und Liebe: 10.000 Hippies feierten an der Burg Herzberg ihr Musikfestival

Magische Momente: Sänger und Gitarrist Tito Larriva von der US-Band Tito & Tarantula. Foto: Ditzel

Breitenbach. Überzeugende Konzerte von Altmeistern wie Caravan und Dickey Betts sowie musikalische Neuentdeckungen wie Deadman und Violons Barbares begeisterten die Besucher des Hippie Festivals an der zwischen Bad Hersfeld und Alsfeld gelegenen Burg Herzberg trotz kühler Temperaturen, Schlamm und Regen.

"Wir alle sind an unsere Grenzen und darüber hinaus gegangen" sagte Wolfgang Wortmann vom Veranstaltungsteam am Samstag in einer kurzen Ansprache von der Bühne und dankte dem Orga-Team, Standbetreibern und 10 000 aus ganz Europa angereisten Fans. Der Regen der letzten Tage hatte das Gelände in eine einzige Schlammwüste verwandelt. Essens- und Verkaufsstände konnten, ebenso wie Bandbusse nur mit Traktoren an ihre Bestimmungsorte geschleppt werden, Besucher mussten die Autos in den umliegenden Dörfern stehen lassen und mit ihrem Gepäck zu Fuß zum Herzberg pilgern, und das Schlimmste: Am Himmel gab es zunächst nicht das geringste Zeichen auf Besserung. Doch was im Chaos hätte enden können, trug bei den Hippies zu noch mehr Zusammenhalt, (Motto: "Matsch more Love") bei. Der Lohn waren großartige Konzerte.

Burg-Herzberg-Festival: Feiern im Schlamm

Hippies, Festival, Burg Herzberg
Das Festival-Motto 2012. "Matsch more Love" wäre passender gewesen © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Festivalbesucher in Erwartung der Tubes © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Tubes-Bassist Rick Anderson © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Immer noch die alte Sado-Maso-Nummer © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Tubes-Sänger Fee Waybill © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Begeisterter Tubes-Fan © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Ist das nun eine Clown ... © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
... oder eine Bondage-Nummer? © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Tubes-Fan seit 30 Jahren © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Rick Anderson - mal spielt er Bass mal spielt er Besser =:-) © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Der Indianer © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Fee Waybill - mal ganz ohne Verkleidung. Sieht doch auch gut aus, oder? © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Fee Waybill in voller Verkleidung: White Punk on Dope © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Der Abstuirz © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Die Wiederauferstehung © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Elvis war besser! Stimmt! © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Vorbildlich! © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Und noch'ne Verkleidung: Fee Waybill bei der Zugabe © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Von der Tubes-Show anscheinend nicht restlos begeistert  © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Von diesem Motiv hätte man hunderte, nein tausende von Aufnahmen machen können © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Örtliche Jungbauern und Jungbäuerinnen... natürlich nicht. Herzberg-Fans - die nächste Generation © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Ungesundes Wetter - gesunde Ernährung © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Man muss unwillkürlich an die Mamas and Papas denken: "Young girls are coming to the canyon..." © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
"... and in the morning I can see them walking" © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Von links: Ian Anderson (alias Gerald Bostock), begleitet von David Goodier (Bass) und dem, im Vergleich zu Anderson, mit 29 Jahren noch sehr jungen Gitarristen Florian Ophale aus Rosenheim © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Beide Teile von "Thick as a Brick" hintereinander aufgeführt, das ist ein bisschen zuviel des Guten © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Florian spielt ein Solo © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Immer diese Solos ... © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Florian spielt noch ein Solo, Ian Anderson flötet im Hintergrund © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Really don't mind, if you sit this one out ... © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Aus dem roten Teppich zur Bühne ist mittlerweile ein brauner geworden © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Da muss man durch, auch wenn man Prairie Prince heißt/ist und schon bei Journey, Chris IsaakGeorge Harrison und John Fogerty die Trommel-Felle bearbeitet hat © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Die Abreise erfolgte auf dem gleichen Weg wie die Anreise: mit Traktoren © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Entspannte Tubes-Musiker amüsieren sich über die Schlacht im Schlamm  © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Franziska. Für diese Frau hat der Gitarrist/Sänger einer der bedeutendsten Bands der Beat-Ära den Song "Sunny Franziska of the Western World" geschrieben. Verständlich © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Ankunft Tito (noch ohne Taranteln). "Klar machen wir ein Foto im Schlamm" © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Jürgen, Freiherr von Dörnberg, Burgherr von Burg Herzberg und Verpächter des Geländes, auf dem das Festival stattfindet. "Die Menschen hier sind so fair und lieb untereinander, mehr geht nicht" © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Spielte nicht, war nur zu Besuch backstage: John Idan, seit 20 Jahren Gitarrist und Sänger der Yardbirds, beim Autogramm-schreiben © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Wie schafft der das bloß, immer noch so wie auf den alten schwarz/weiß Postern und Covern auszusehen? © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Kurz vor dem Auftritt von Tito und Tarantula - Only after dark © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Lucy LaLoca am Bass. Einziger Auftrag von Tito: Bitte nie lächeln! © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Was für ein Auftritt! Magie liegt in der Luft © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Okay, manche Zuschauer wurden auch von Gitarristin Lolita Larriva magisch angezogen © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Bei Titos Konzert stimmte einfach alles © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Burg-Herzberg-Festival 2012: Make love work © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Auf die Frage, ob Lucy LaLoca ihr Künstlername sei, grinsten sie und Tito nur, bevor sie sagte "Eigentlich heiße ich Rippy Portillo." Beide Namen würde Quentin Tarrantino sicher gerne übernehmen. © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Lolita ist tatsächlich Titos Tochter - sagt er jedenfalls © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Only after dark hätte statt neun auch 20 Minuten dauern dürfen © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Der besondere Tito-Klang rührt übrigens daher, dass er außer mit dem Plektron auch kurz hinterher noch mit dem Daumen über die Saiten streift, was diesen "streichelnden Klang ergibt © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Lazy Saturday Afternoon © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Die Gruppe heißt Violon Barbares, der Herr im Vordergrund ist Dimitar Gougov und das Instrument, das er spielt heißt Gadulka und stammt aus Bulgarien © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Epi Enk Jargal, ebenfalls einer der Barbares, spielt ein Instrument namens Morin Khoor aus der Mongolei, hierzulande auch Pferdekopf-Geige genannt © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Epi Enk Jargal (Violons Barbares) © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Der Schlagwerker der Barbares: Fabian Guyot © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Die Violons Barbares verzauberten das Publikum am Nachmittag © Foto: Ditzel/HNA
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Dimitar Gougov und seine Gadulka © Foto: Ditzel/HNA
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Einfach nur zuhören © Foto: Ditzel/HNA
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Burg-Herzberg-Festival 2012: Make love work © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Burg-Herzberg-Festival 2012: Make love work © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Fabian Guyot. Bitte mal einen näheren Blick auf sein Equipment richten © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Burg-Herzberg-Festival 2012: Make love work © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Burg-Herzberg-Festival 2012: Make love work © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Dimitar Gougov (Violons Barbares) © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Die große Überraschung des Festivals bedankt sich beim Publikum © Foto: Ditzel/HNA
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Die Violons Barbares müssen wiederkommen © Foto: Ditzel/HNA
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Burg-Herzberg-Festival 2012: Festival-Nachwuchs © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Burg-Herzberg-Festival 2012: Make love work © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Die Nachschubwege waren beschwerlich © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Der guten Laune tat dies keinen Abbruch © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Wie immer in den letzten Jahren, kamen erstaunlich viele junge Menschen zum Festival. Der Geist der Hippie-Ära wird weitergetragen © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Auch eine Legende: Peter Bursch. Wie viele Menschen über mittlerweile drei Generationen haben wohl nach seinen Büchern und CD das Gitarrenspiel gelernt? © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Caravan-Drummer Mark Walker, Nachfolger des legendären Richard Coughlan begeisterte nicht nur mit seinem Schlagzeugspiel, sondern auch mit seiner Mimik und Fröhlichkeit © Foto: Ditzel/HNA
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Those Nasty Grumbly Grimblies (von links: Geoff Richardson, Pye Hastings, Jim Leverton, Mark Walker und Jan Schelhaas) © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Caravan Urgestein Pye Hastings (rechts) und Multiinstrumentalist und Sänger Geoff Richardson © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Geoff Richardson (Caravan), der nach dem Konzert erzählte, dass man sich bei Caravan mit dem Gedanken trägt, 2013 zum 40. "Geburtstag" des Albums "For girls who grow plump in the night", mit der Musik dieses Albums auf Tour zu gehen. © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Das ist richtig: Kinder sollten nur mit Schallschutz in den Bühnenbereich mitgenommen werden (auch wenn Caravan spielen, die nun wirklich nicht laut spielten © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Burg-Herzberg-Festival 2012: Make love work © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Burg-Herzberg-Festival 2012: Make love work © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Much Matsch © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Burg-Herzberg-Festival 2012: Make love work © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Auif dem Boden geblieben © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Burg-Herzberg-Festival 2012: Make love work © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Die Fotografen und Medienmenschen warten auf Forrest Richard Betts, genannt ... © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Dickey Betts, der erst einmal mit einem Solo (zu "High Falls") beginnt © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Die alten Allman-Brothers-Hits wie Jessica, Ramblin' Man, High Falls und In Memory of Elizabeth Reed begeisterten © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Burg-Herzberg-Festival 2012: Make love work © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Burg-Herzberg-Festival 2012: Make love work © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Die Dickey-Betts-Südstaaten-Gitarrenarmee: (von links: Andy Aledorf, Duane Betts (Sohn), Dickey Betts, der gleich wieder ein Solo spielt und Pedro Arevalo) © Foto: Ditzel/HNA
Herzberg Festifal, Schlamm
Peter Bursch schaut sich an, wie Dickey Betts eines seiner Endlos-Soli spielt © Foto: Ditzel/HNA
Herzberg Festifal, Schlamm
Burg-Herzberg-Festival 2012: MaKe Love Work © Foto: Ditzel/HNA
Herzberg Festifal, Schlamm
Es gehört schon etwas dazu, auf dem Burg-Herzberg-Festival aufzufallen. Diese drei jungen Männer haben es geschafft © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Fasst hätten wir's vergessen: Dickey Betts, hier mit Pedro Arevalo, spielt mal wieder ein Solo © Foto: Ditzel/HNA
Herzberg Festifal, Schlamm
Für die Kinder war das Festival ganz nach ihrem Geschmack © Foto: Ditzel/HNA
Herzberg Festifal, Schlamm
Im Schlamm spielen und nicht dafür geschimpft werden © Foto: Ditzel/HNA
Herzberg Festifal, Schlamm
Man sollte meinen, Begeisterung sieht anders aus. Der Junge war aber eigentlich gut drauf. © Foto: Ditzel/HNA
Herzberg Festifal, Schlamm
Er konnte gar nicht genug davon kriegen, in der braunen Masse herum zu stapfen © Foto: Ditzel/HNA
Herzberg Festifal, Schlamm
Mal was anders als "Blowin'  in the Wind" zur Akustikgitarre im Gemeinschaftszelt: "Hokus Pokus" von Focus auf der Flöte und zur Freude aller Umstehenden und der im Matsch spielenden Kinder © Foto: Ditzel/HNA
Herzberg Festifal, Schlamm
Stimmt! © Foto: Ditzel/HNA
Hippies, Festival, Burg Herzberg
Und was macht Dickey Betts? Der spielt ganz einfach noch ein Solo © Foto: Ditzel/HNA

Deadman aus Texas brachten mit ihrem Alternativ-Country das Publikum am Freitagnachmittag in Festivallaune. Ihr Sound, beeinflusst von The Band, den frühen Kings of Leon und Grateful Dead (wenn sie Country-Music spielten), bringt eine angenehme frische Briese in das Genre. Keine Frage, diese Band hat, wenn sie das Niveau hält, eine große Zukunft.

Der erfolgversprechenden Neuentdeckung folgten die Tubes mit einer handwerklich sauber und routiniert abgespulten Show, die einige der seit 30 Jahren bekannten und mittlerweile leicht abgenutzten Show-Effekte nicht nötig gehabt hätte. Die einzige Ballade ihres Konzerts, “I don’t want to wait anymore”, war der qualitative Höhepunkt, der aber von einer grotesk übertriebenen Version von “White Punks on Dope” regelrecht erschlagen wurde. Minuspunkte gibt es für “I saw her standing there” und “Lust for Life”. An Iggy Pop sollten sich die Tubes nicht vergreifen. Trotzdem: im großen Ganzen gefiel das.

Missmut kam hingegen beim Konzert von Jethro Tull’s Ian Anderson auf. So musste das Sicherheitspersonal Zuschauern in den ersten Reihen Kameras abnehmen und das Fotografieren unterbinden, weil Anderson keine Fotos wünschte. Auch konnte seine Aufführung beider Teile von Thick as Brick plus Aqualung und Locomotive Breath als Zugaben wegen zu vieler Längen nicht überzeugen.

Magische Momente

Doch dann kamen Tito & Tarantula und mit ihnen jene magischen Momente, die aus einem Konzert einen Festivalhöhepunkt machen. Die “Taranteln” sind zur Zeit drei junge Damen, die halb so alt wie Tito sein dürften und bei dessen Auftritt im Titty Twister, wenn überhaupt schon, noch im Kindergarten warem: Lucy LaLoca (Bass), Samantha Bishop (Schlagzeug) und Lolita Larriva, Titos Tochter, an der Gitarre. Als Verstärkung stand dem Quartett noch ein junger Mann zur Seite: Victor Ziolkowski, der mal Schlagzeug, mal Gitarre und auch mal Tambourin spielte, öfters aber auch nicht auf der Bühne present war.

Mit einer sehr berührenden Version von “Back to the House of Love”, bei der Tito jedem einzelnen Zuschauer das Gefühl gab, er spiele nur für ihn, hatten sie das Publikum schnell auf ihrer Seite. Es folgten weitere Songs aus den Filmen “Desperado” und “Irgendwann in Texas”. Hierzu erzählte Tito die Anekdote, dass es die in dem Film zu sehende Taxifahrt, bei der er Johnny Depp chauffiert, nie gegeben hat. Hinter ihm war eine Blue Screen im Taxi eingebaut. Johnny Depps Szenen wurden dort im Nachhinein einkopiert.

Dann kam der Festival-Höhepunkt: Die Herzberg-Version von “Only after dark” hätte statt neun Minuten auch 19 oder 29 Minuten dauern dürfen. Trotz einer Temparatur von nur 13 Grad tanzten Tausende kurz vor Mitternacht dazu im Schlamm. Wer das fertigbringt, der kann sich auch Zugaben wie “La Cucaracha” und “La Bamba” leisten.

Überraschungen

Zwei weitere Überraschungen gab es am Samstagnachmittag mit den jungen Violons Barbares und den alten Recken von Caravan. Erstere eroberten mit mongolischer Pferdekopfgeige und bulgarischer Gadulka und Oberton-Gesang als Neulinge das Publikum. Heiter stimmte auch die Moderation von Gadulka-Spieler Dimitar Gougov, der fast jeden Song mit den Worten “Wir spielen jetzt noch ein Liebeslied” ankündigte und auf sehr humorige Art die Inhalte der in mongolischer, französischer und bulgarischer Sprache vorgetragenen Lieder erklärte. Fazit: Auch nach dem zwanzigsten Liebeslied wollte das Publikum die Violons Barbares noch nicht gehen lassen.

Dem jungen französisch-bulgarisch-monglischen Trio folgten die Senioren von Caravan. Doch jegliche Skepsis, ob die einstigen Protagonisten der Canterbury-Szene noch Festival-tauglich sind, war schon nach den ersten beiden Songs verflogen. Caravan spielten ihre 40 Jahre alten Hits, als hätten sie die Stücke in den letzten Wochen geschrieben und konnten es nun kaum erwarten, sie endlich auf der Bühne mal live zu präsentieren. Diese Spielfreude steckte an. 

Schlagzeuger Mark Walker, vor zwei Jahren als Ersatz für das verstorbene Gründungsmitglied Richard Coughlan zur Band gestoßen, hat anscheinend auf alle Musiker wie eine Verjüngungskur gewirkt. Fans, die seit der Caravan-Reunion 1980 die Gruppe immer wieder gesehen haben, stimmten darin überein, "In the land of grey and pink" seltenst so frisch und unverbraucht gehört zu haben. Die Band möchte 2013 zum 40. Geburtstag ihres Albums "For girls who grow plump in the night" mit diesem Album im Gepäck erneut auf Tour gehen. Auf dem Herzberg-Festival sind sie jederzeit willkommen.

Am Ende des Caravan-Konzerts brachen die ersten Sonnenstrahlen seit einer Woche durch die immer noch schweren Wolken und sorgten für ein zusätzliches Stimmungshoch. Das musste Dickey Betts mit seiner Südstaaten-Gitarren-Armee Great Southern nur noch aufgreifen und das gelang ihm auch. Zum Einstieg gab es das Instrumental High Falls in einer 18-Minuten-Version. Dagegen nahm sich der Statesboro Blues in "nur" neun Minuten regelrecht kurz aus. Und dann folgten die alten Allman-Brothers-Hits Schlag auf Schlag. Jessica war schon nach 40 Minuten dran. Einen solchen Song würden sich andere Bands als Zugabe aufheben.

Dickey Betts lieferte sich Gitarrenduelle mit seinem Sohn Duane und mit Andy Aledorf, der anscheinend Dan Toler dauerhaft ersetzt. Bester Musiker neben Betts war allerdings Bassgitarrist Pedro Arevalo, der die Soli des Chefs grandios untermalte. Zur Zugabe In Memory of Elizabeth Reed  blieben Great Southern gleich auf der Bühne. Als Sahnestück obenauf kam auch noch der Ramblin' Man dran.

Dies schuf eine schwere Ausgangssituation für eine der beiden Wishbone Ash-Formationen, die zur Zeit durch Deutschland touren. Als einzige Band im Festival-Line-Up legten sie einen kompletten Soundcheck vor und begannen ihren professionell gespielten Set mit The King will come, Ein Fehler!? Danach war die Luft jedenfalls raus – nach zehn Stunden toller Musik aber auch kein Wunder.

Von Wilhelm Ditzel

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