Bushido bringt er sich mit kruden Mordfantasien ins Gespräch

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Im Scheinwerferlicht: Der umstrittene Berliner Rapper Bushido (34).

Als Bushido im November 2011 den Integrations-Bambi erhielt, sagte der Krawall-Rapper sinngemäß, dass jeder eine zweite Chance verdient habe. Mit dem Lied „Stress ohne Grund“, das der 34-Jährige mit seinem Kollegen Shindy aufgenommen hat, dürfte er diese zweite Chance versemmelt haben.

Darin rappt Bushido unter anderem: „Ich schieß auf Claudia Roth, und sie kriegt Löcher wie ein Golfplatz.“ Wir beantworten die wichtigsten Fragen um den Skandal-Song.

Worum geht es eigentlich in dem Text?

Gute Frage. Auf jeden Fall um „Bitches“ und „Opfer“. Auf die Grünen-Vorsitzende Roth schießt Bushido, weil sie ihm Anfang des Jahres Antisemitismus vorgeworfen hatte. Der Grund: Der Rapper zeigt auf seinem Twitter-Account eine Nahost-Karte ohne Israel. Außerdem werden in dem Song attackiert: der integrationspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion Serkan Törer (weil er zuvor gefordert hatte, Bushido müsse der Bambi aberkannt werden), Komiker Oliver Pocher (weil der sich über Steuerermittlungen gegen Bushido lustig gemacht hatte) und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (weil er schwul ist). Dümmer geht es nicht. Der SPD-Politiker stellte gestern wegen des Hass-Liedes Strafanzeige.

Ist Bushido wirklich ein Gangster?

Darüber gehen die Meinungen auseinander. Sein Aufstieg zum Gangsta-Rapper Nummer eins begann mit homophobem Schwachsinn („Ihr Tunten werdet vergast“). Später kokettierte er damit, am liebsten Phoenix zu gucken. Journalisten droht Anis Mohamed Youssef Ferchichi, wie Bushido wirklich heißt, trotzdem schon mal Prügel an. Und zuletzt enthüllte der „Stern“ enge Verbindungen zum berüchtigten Abou-Chaker-Clan, der angeblich die organisierte Kriminalität in Berlin kontrollieren soll.

Wollte Bushido nicht mal selbst Politiker werden?

Stimmt. Im Sommer vorigen Jahres kündigte der Familienvater an, er wolle Regierender Bürgermeister von Berlin werden – mit Dieter Bohlen im Schattenkabinett. Der Rüpel-Rapper hat sogar ein Praktikum beim CDU-Bundestagsabgeordneten Christian Freiherr von Stetten absolviert. Unionspolitiker lobten ihn immer wieder als Musterbeispiel für eine gelungene Integration.

Könnte „Stress ohne Grund“ nun zensiert werden?

Ja, die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien berät bereits darüber. Juristen wie der Berliner Medienanwalt Tim Hoesmann meinen, die Passage über Roth könne als Mordaufruf verstanden werden. Allerdings könnte ein Verbot den Rapper, von dem bereits drei Alben indiziert wurden, auch noch populärer machen. Obwohl Youtube den „Stress ohne Grund“-Clip löschte, wurde er innerhalb von 48 Stunden eine Million Mal angeklickt. Irgendeiner stellt halt immer eine neue Version ins Netz.

Wie reagieren HipHop-Kollegen auf das Lied?

Selbst Bushidos Ex-Kumpel Kay One hat kein Verständnis. „Böse, böse, böse“, postete er auf seiner Facebook-Seite. André Peschke (36), Betreiber des Göttinger Labels RZ-Recordings und Lehrer an der Kasseler Max-Eyth-Schule, sieht in dem Lied jedoch keinen Tabubruch. Die Zeile über Roth sei zwar krass, aber eben nur eine genretypische Metapher: „HipHop ist die Opposition der kleinen Leute und Bushido kein böser Mensch.“

Von Matthias Lohr

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