Can Cakmur beim Klavierfestival

Can Cakmur

Niestetal. Mit Musik von E. T. A. Hoffmann und Liszt gastierte der Pianist Can Cakmur beim Internationalen Klavierfestival in Niestetal.

Faszinierende Seiten der musikalischen Romantik beleuchtete der junge türkische Pianist Can Cakmur am Samstag beim Niestetaler Klavierfestival. So widmete er sich eingangs dem Universalgenie E. T. A. Hoffmann (1776-1822), der vor allem als Schriftsteller bekannt ist.

Hoffmann, ein Meister des Fantastischen und Gruseligen, war jedoch weit mehr als nur ein Literat. Er war außerdem Zeichner, Jurist, Kapellmeister, Musikkritiker und nicht zuletzt Komponist. Cakmur machte sich für die Sonate f-Moll stark. Wer unter Romantik pure Gefühlsschwelgerei versteht, wurde da eines Besseren belehrt.

Hoffmanns dreisätzige Sonate fasziniert nämlich dadurch, dass sie sowohl im ersten als auch im dritten Satz eine Fuge enthält, also eine geistig anspruchsvolle, mit dem Namen Johann Sebastian Bachs verbundene musikalische Technik. Hoffmann schwärmte für die geheimnisvollen Kombinationen des Kontrapunkts, die er selbst mit „wunderlich verschlungenen Moosen, Kräutern und Blumen“ verglich. Seine Sonate mag nicht ganz dem Rang seiner literarischen Werke entsprechen, sie ist aber ein spannendes Stück - wenn sie so temperamentvoll dargeboten wird wie von Cakmur.

Der 1997 in Ankara geborene Pianist spielte anschließend Liszt - brillant die Konzertetüde „La leggierezza“ - und Robert Schumanns späten Zyklus „Gesänge der Frühe“.

Glänzend gelang die zweite Hälfte, wo er die Liszt-Fassung dreier Schubert-Lieder ohne Unterbrechung in die große h-Moll-Sonate übergehen ließ. Stimmungsvoll leitete das ruhige C-Dur des Liedes „Meeresstille“ in Liszts Sonate über. Was einem gut überlegten Tonartenplan folgte, wie Can Cakmur in der Moderation ausführte. Liszts Sonate beginne nämlich in c-Moll - eine vielleicht überraschende Mitteilung.

Der junge Musiker hatte nicht nur Wissenswertes zu sagen, er spielte das gewaltige Stück so souverän und lebendig, dass es Ovationen im evangelischen Gemeindehaus Sandershausen gab. Zum Abschied brachte der hochbegabte Pianist Schuberts „Morgengruß“ zum Erklingen.

Festival Montag: Klavierduo Glemser. Dienstag: Ryosuke Yanase, Keiko Kawabata. Beginn jeweils 19.30 Uhr.

Von Georg Pepl

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