Ausstellung: "Das Ende ist nah"

Caricatura Kassel zeigt über 130 Cartoons von Peter Thulke

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Pointiert: Die Cartoons von Peter Thulke.   

Kassel. Die Cartoons von Peter Thulke zu rahmen, ist für Kuratorin Saskia Wagner gar nicht so einfach. Gerahmt werden sie, weil seine Werke in der Caricatura in Kassel ausgestellt werden.

Denn die Originale sind meist auf gelbem Papier entstanden, das keine geraden Linien hat. Einzelausstellung zeigt den Künstler mit Werken aus seiner gesamten Schaffenszeit. „Er ist praktisch veranlagt, schneidet sich das Papier zurecht, wie er es braucht“, sagt Wagner. 

Schon das macht klar, dass der Künstler, dem die Caricatura ab heute eine große Einzelausstellung – unter anderem mit 130 gerahmten Originalen und 15 Drucken – widmet, keiner von denen ist, die verschnörkelt arbeiten. Im Gegenteil: Peter Thulke beschränkt sich beim Zeichnen seiner oft grimmig schauenden, fülligeren und schroff wirkenden Figuren auf das Wesentliche. Und: Auch die Dialoge verknappt er pointenreich.

Schwarzer Humor: Auch dafür steht Peter Thulke.

Doch so einfach die Zeichnungen beim ersten Hinsehen auch erscheinen, so gewaltig (manchmal bitterböse) sind sie in ihrer Aussagekraft. Etwa die Zeichnung, in der der Vater sich auf dem Beifahrersitz umdreht und die Kinder auf dem Rücksitz zur Ruhe auffordert, weil die Mutter am Steuer schläft. So landet er punktgenau im schwarzen Humorzentrum der Betrachter. Was Thulke mitteilen will, macht er auf direktem Weg deutlich. In den Zwiegesprächen seiner Protagonisten – meist geht es um das Verhältnis zwischen Mann und Frau – ist er geradeheraus. Doch weisen die Inhalte auch über die private Sphäre hinaus auf Zeitgeistphänomene oder Themen aus Politik und Gesellschaft.

Größtenteils befassen sich seine Cartoons mit Alltagssituationen und haben einen Wiedererkennungswert, denn überwiegend arbeitet er mit Tusche und Aquarell auf gelbem Zeichenkarton. Oft verzichtet er auf Hintergründe – maximal findet man hier und da einen Schrank, eine Tür, eine Lampe. „Aus Faulheitsgründen“, sagt der Berliner. Das farbige Papier erspare es ihm, sich darum kümmern zu müssen.

Schon lange stand Thulke auf der Wunschliste der Caricatura. Jetzt sei es gelungen, den Künstler mit Werken aus seiner gesamten Schaffenszeit zu zeigen. In der Ausstellung finden sich so aktuelle und unveröffentlichte, aber auch frühere Arbeiten von Thulke (die älteren Zeichnungen sind noch mit Peter T. signiert). Und: Man erhält einen Einblick in seine Art zu arbeiten. Denn auch einige nicht-gerahmte Cartoons sind ausgestellt. Darauf am Rand ein paar Farbtupfer, mal ein grauer Strich, mal ein weißer. „Das sind seine Farbtests, denn auf dem gelben Papier wirken die Farben anders als auf weißem Untergrund“, sagt Wagner. So breit das Spektrum Thulkes ist, so präsentiert sich auch die Ausstellung: Es gibt keinen geradlinigen Laufweg und keine Themenkabinette. Man kann das Schaffen des Cartoonisten so entdecken, wie er arbeitet – abseits vorgegebener gerader Linien.

Ausstellungseröffnung: Heute, 19.30 Uhr, Caricatura, Rainer-Dierichs-Platz 1. Bis 13. Mai (dienstags bis samstags von 12 bis 19 Uhr, an Sonntagen und Feiertagen von 10 bis 19 Uhr).

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