Caro Emerald: „Ich bin ein kurviges Mädchen“

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Caro Emerald bei der Verleihung der Goldenen Kamera im Februar 2012.

Die niederländische Sängerin Caro Emerald sieht aus, als sei sie einer Modezeitschrift der 40er- oder 50er-Jahre entsprungen. Und auch ihre Musik klingt so.

Mit „Deleted Scenes From The Cutting Room Floor“ stand die 32-Jährige aus Amsterdam 28 Wochen auf Platz eins der Charts in ihrem Heimatland, in Großbritannien und Deutschland schaffte sie es in die Top Ten. Auf dem neuen Album „The Shocking Miss Emerald“ setzt sie ihren Stilmix aus Swing, Jazz, Tango, Pop, Chanson, HipHop, Mambo und Easy Listening gekonnt fort.

Was ist ist mit Ihnen und dem Alkohol?

Caro Emerald: Ich trinke gern ein Gläschen, vor allem Rotwein. Wieso? Sehe ich aus, als hätte ich einen Kater?

Nein, aber der Durchbruch gelang Ihnen, als Ihr Song „A Night Like This“ in einer Martini-Werbung zum Einsatz kam, und um auf Ihr neues Album aufmerksam zu machen, hat die Plattenfirma eine Flasche pfälzischen Rosé-Cremant verschickt.

Emerald: Der soll lecker sein, schön herb (lacht). Die Verbindung zwischen meinen Liedern und einem Drink kann ich nachempfinden. Das Lebensgefühl meiner Songs spiegelt eine Epoche wieder, in der es noch nicht so verpönt war, sich gehenzulassen, dekadent zu sein, zu rauchen, zu trinken, Lebensfreude zu zeigen. Heute ist alles so reglementiert. Oder können Sie sich vorstellen, in den 40er-Jahren wäre es irgendwo verboten gewesen, in einer Bar zu rauchen? Sicher nicht.

Sie hätten also gern damals gelebt?

Emerald: Nein, ich bin glücklich, dass ich hier und heute leben darf, eine friedlichere und bessere Epoche ist mir nicht in Erinnerung. Kann ja sein, dass es damals mehr Spaß machte, seine Laster zu genießen, aber auf der anderen Seite gab es wirtschaftliche Zusammenbrüche, einen Weltkrieg, die Ermordung unschuldiger Menschen. Diesen Schrecken blenden wir in meiner Musik natürlich aus und beschränken uns auf das Schöne.

Sie verklären die damalige Zeit.

Emerald: Natürlich. In der Kunst ist das erlaubt. Ich liebe dieses Baden in Nostalgie. Und ich liebe die Musik, die Mode von früher. Ich bin ein kurviges Mädchen, und diese Pracht, die Kleider, das Make-Up, die hochtoupierten Haare, das steht mir einfach gut. Meine Musik zieht mich in eine andere Welt hinein. Ich spiele keine Rolle, sondern ich betone eine Facette von mir: die Diva.

Wie gehen Sie mit dem Druck um, ein mindestens genauso erfolgreiches zweites Album abliefern zu müssen?

Emerald: Ich habe Bammel. Bis jetzt passierte alles immer so leicht und wie von selbst. Jetzt gibt es diesen Druck, den ich blöd finde, aber dem ich mich stellen muss. Ich bin eine normale Frau, und ich bin ein Star. Auch damit muss man sich erst Mal arrangieren.

Halten Sie deshalb auch Ihr Privatleben aus den Medien?

Emerald: Mir macht es keinen Spaß, berühmt zu sein. Ich finde es gar nicht so toll, überall erkannt zu werden und gehe deshalb nur mit ganz wenig oder gar keinem Make-Up aus dem Haus. Und mein Beziehungsleben hat nichts mit meiner Musik zu tun. Ich bin mit jemandem liiert, mehr braucht niemand zu wissen.

Also ist Ihr Liebesleben weniger aufsehenerregend wie das der Protagonistin in der Single „Tangled Up“?

Emerald: Oh nein, ich würde durchdrehen. Das Mädchen in „Tangled Up“ liebt zwei Männer - einen leidenschaftlichen, von dem sie weiß, er ist nicht gut für sie, und einen anständigen, etwas langweiligen Kerl.

Wie soll sie sich entscheiden?

Emerald: Oft ist die beste Idee: nicht nachdenken, auf den Bauch hören. Und wer sagt, dass man nicht eine Zeit lang zweigleisig fahren kann?

Ich wette, die meisten Ihrer Fans sind Frauen.

Emerald: Anfangs war das so. Aber inzwischen bin ich überrascht, wie viele Jungs kommen, der Frauenanteil liegt höchstens noch bei 60 Prozent. Und Sie sollten die Männer mal sehen. Richtig harte Burschen, tätowierte Jungs, die man bei einem Metal-Konzert vermuten würde, grölen jede Zeile mit. Wirklich geil, so etwas erleben zu dürfen.

Caro Emerald: The Shocking Miss Emerald (Polydor/Universal). Wertung: 4 Sterne

Zur Person

Geboren: am 26. April 1981 in Amsterdam als Caroline Esmeralda van der Leeuw

Ausbildung: Jazzstudium am Musikkonservatorium von Amsterdam

Karriere: Mit einem selbstgedrehten Video, das Emerald 2008 bei Youtube hochlud, wurde Emerald in ihrer Heimat bekannt. Zwei Jahre später erschien ihr Debütalbum „Deleted Scenes From The Cutting Room Floor“.

Privates: liiert, lebt in Amsterdam

Von Steffen Rüth

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