Cartoons zum Tod: Wenn der Sensenmann klopft

... und von Martin Perscheid. Fotos:  Sepulkralmuseum/Koch

Kassel. „Einer geht noch": Das Museum für Sepulkralkultur in Kassel zeigt Karikaturen zum Sterben und zum Tod. Ab Freitag ist die Ausstellung geöffnet.

Kann man über den Tod lachen? Darf man sich amüsieren über Amokläufe und Selbstmordattentate? Vielleicht muss man es, um Distanz zu schaffen, das Unausweichliche auszuhalten, das Schlimmste zu ertragen. Sobald man über etwas lachen kann, so die These des Museums für Sepulkralkultur in Kassel, verliert es an Schrecken.

...  von Oliver Ottitsch ...

In der Sonderausstellung, die ab Freitag geöffnet ist, nehmen 33 Cartoonisten den Kampf mit dem Tod auf. Zustande gekommen ist die „Einer geht noch“ betitelte Schau dank einer Kooperation mit der Caricatura Kassel. Fast 170 Werke haben Geschäftsführer Martin Sonntag und sein Team organisiert und bereitgestellt.

Somit schließt sich ein Kreis. 1992, zur Eröffnung des Museums, gab es als Erstes die Schau „Schluss jetzt!“ mit Komischem zu Sterben und Tod - die bis heute erfolgreichste Ausstellung. Nun will das Haus nicht nur seinem neuen Leiter Werner Tschacher einen ebenso tollen Start verschaffen, wie Vize-Direktor Gerold Eppler flachst, es sei vor allem eine Art Inventur fällig: Welche Themen sind seither aufgekommen, wie haben sich der Humor, die Stilmittel verändert?

Ein Beitrag von Kittihawk

Dazu gibt es ein Wiedersehen mit den Groß- und Altmeistern von damals, der Neuen Frankfurter Schule - Robert Gernhardt, F. K. Waechter, Hans Traxler, Chlodwig Poth -, denen teils durch die Caricatura-Sommerakademie gegangene junge Könner wie Katharina Greve, Lilli Bravo, Kittihawk und Oliver Ottitsch gegenübergestellt sind. Es gibt Gemälde - das alte Titelmotiv von Ernst Kahl, Rudi Hurzlmeier wird sein Bild „Nocturne - Satan öffnet den Erlöser“ im Verlauf der Ausstellung bis 5. Juni in einer Live-Malaktion vollenden -, Harm Bengens Cartoon-Nachrufe auf Prominente sowie einige „Sculptoons“, dreidimensional umgesetzte Cartoons des Kasselers Siegfried Böttcher.

Was Neonazismus und Gewalt gegen Migranten betrifft, haben die Blätter von 1992 nichts an trauriger Aktualität verloren. Ansonsten gilt: „Der Tod ist so vielfältig und bunt wie das Leben“, wie Sonntag sagt. Friedhof, Grab, Sarg, Himmel und Hölle, ja selbst der Tod als Sensenmann bleiben beliebte Sujets. 1992 noch vollkommen unvorstellbar war die Digitalisierung. „Auch die Vorstellung von 72 Jungfrauen im Paradies löst wunderbare Fantasien aus“, findet Sonntag.

Karikatur als Spiegel der Gesellschaft: Sonntag beobachtet, dass es neben deftigen Albernheiten und Nonsens-Blödeleien eine Rückkehr zum politischen Biss und zum tiefen, bitteren Ernst gibt: „Die Realität draußen ist viel schlimmer als alles, was die Cartoons zeigen.“

Bis 5. Juni, Weinbergstr. 25-27, Di -So 10-17, Mi 10-20 Uhr, Eintritt: 6 (4) Euro, Kombiticket mit Besuch der Caricatura, mittwochs 18 Uhr Führung. www.sepulkralmuseum.de

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