Interview: Der britische Sänger über sein neues Album, die Frau fürs Leben und Reality-TV

James Blunt: „Castingshows sind schrecklich“

Mit seinem Hit „You’re Beautiful“ schrieb James Blunt vor sechs Jahren Popgeschichte. Heute veröffentlicht der einstige Offizier der britischen Armee das Album „Some Kind Of Trouble“, das erneut radiofreundlich-poprockig klingt. Wir sprachen mit dem 36-Jährigen.

Man hat lange nichts von Ihnen gehört. Auch in der Klatschpresse kamen Sie nicht vor.

James Blunt: Zum Glück. Mein Privatleben halte ich wirklich privat. Nach dem letzten Album war ich zwei Jahre lang auf Tour, danach ein Jahr im Studio. Ich habe die Lieder in London geschrieben. Das hat die Songs stark beeinflusst.

Wie denn konkret?

Blunt: Ich habe hier viel mit meinen Freunden gemacht, bin ausgegangen, habe Spaß gehabt und ein verdammt normales Leben gelebt. Nach den vielen Konzerten und der harten Arbeit war es wichtig für mich, einfach mal loszulassen. Ich habe mich teilweise benommen wie ein Teenager. Die Songs stecken für mich voller Optimismus.

Sie kommen aus einer Familie von hochrangigen Militärs und sind an der renommierten Akademie Sandhurst zum Soldaten ausgebildet worden.

Blunt: Richtig. Mein Leben war lange Zeit durch Disziplin geprägt. Ich habe im Kosovo ein Regiment geführt, hatte schon mit Anfang 20 viel Verantwortung.

Von Anfang an haben Sie ziemlich polarisiert. Viele hören Ihre Songs immer und überall, andere hassen sie.

Blunt: Da muss ich widersprechen. Es gibt bei meiner Musik nicht nur extreme Meinungen. „You’re Beautiful“ war ein Monster, ich habe Millionen Platten verkauft und verstehe nicht, warum eigentlich. Diese Wahnsinnszahlen werde ich nicht mehr erreichen, egal wie gut die neuen Songs sind. Aber es gibt auch mittelgute und mittelschlechte Reaktionen meiner Musik gegenüber.

„These Are The Words“ Ist ein trauriges Lied. Es handelt von einer Ex-Freundin, einer verpassten Chance.

Blunt: Das ist kein trauriges Lied. Es handelt von einem gebrochenen Herzen, aber nicht von einem gebrochenen Mann. Mädchen kommen, Mädchen gehen, da muss man nicht jedes Mal den Verstand verlieren. Sondern lieber eine Liebe genießen, so lange sie hält. Und trotz gebrochenen Herzens lächelnd weiter tanzen.

Wie sieht es aus mit Heiraten und Kinder kriegen?

Blunt: Einige meiner Freunde beobachte ich gerade dabei, wie sie ihre Familien gründen, sesshaft werden und das alles wirklich zu lieben scheinen. Ich mag Kinder, ich mag Frauen, also sehe ich keinen Grund, warum ich nicht irgendwann eine Familie gründen sollte. Momentan jedoch nicht. Nächstes Jahr gehen wir auf Welttournee, das ist erstmal wichtiger.

Wäre die passende Frau denn schon gefunden?

Blunt: Dieses Thema versuche ich lieber zu vermeiden. Vielleicht weiß ich es ja selbst nicht so genau.

Wovon handelt „Superstar“?

Blunt: Um den Zustand der Welt, beschrieben aus den Augen eines Teenagers und mit der Erkenntnis, dass er oder sie sich nicht danach sehnen sollte, ein Superstar zu werden. Das Reality-TV trichtert uns ein, dass Ruhm alles ist. Das ist Unsinn. Als Teenager sollte man sich entwickeln können. Man sollte seinen Weg finden, nicht den Weg, den diese Castingshows vorgeben. Die sind schrecklich. Man braucht nicht „Germany’s Next Topmodel“, wenn man ein Model werden will. Man braucht nicht „X Factor“, wenn man Musiker werden möchte. Ich habe es auch ohne das alles geschafft.

„Some Kind Of Trouble“ erscheint heute bei Warner.

James Blunt tritt morgen bei „Wetten, dass ..?“ auf (ZDF, 20.15 Uhr).

Von Steffen Rüth

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