Chansonnier mit Charme: Tim Fischer im Theaterstübchen

Ein Meister der humoresk formulierten Zweideutigkeit: Sänger Tim Fischer im ausverkauften Theaterstübchen. Foto: Malmus

Kassel. Es ist faszinierend, über welche Möglichkeiten das Kasseler Theaterstübchen mittlerweile verfügt, um Künstler aus den unterschiedlichsten Genres in einer ganz eigenen Atmosphäre zu präsentieren.

Diesmal kam der Berliner Chansonnier Tim Fischer in den Genuss, vor vollen Tischreihen in einem lichtchoreografisch exzellent präparierten Ambiente aufzutreten.

Mit Schatten, etwas Nebel, Farbstrahlern und Theaterlicht kreierte man ein Flair wie in den kleinen Cafés rund um den Montmartre in Paris, in denen Künstler wie Jacques Brel und Edith Piaf ihre Emotionen in Musik und Poesie ertränkten. Fischer (42), der schon seit 27 Jahren auf der Bühne steht, und sein Pianist Rainer Bielfeldt lassen bei ihrem Jubiläumsprogramm „Geliebte Lieder“ nicht nur die Franzosen an Bord, sondern nehmen mit Friedrich Holländer, Georg Kreisler, Erich Kästner und Ludwig Hirsch auch andere Komponisten mit auf die Reise.

Und auf dieser Kreuzfahrt wird nicht nur traurig an der Reling philosophiert oder in den Sonnenuntergang geschluchzt, sondern unter Deck auch kräftig gefeiert. Fischer schüttelte Hände, kalauerte sich durch schlüpfrige Geschichten und strahlte, dass den Gästen das Herz hüpfte.

Ein Sonnyboy, der sich mit humoresk formulierter Zweideutigkeit brillant durch Alltagsgeschichten intoniert, ohne die Grenze zum aalglatten Musical-Klon zu überschreiten. Spitzbübisch erklärt er musikalisch dem Publikum das Stroganoff-Rezept, verhöhnt mit dem „Begräbnistango“ die desinteressierte Totengesellschaft und intellektualisiert die Nacktheit beim Striptease. Das ganz große Drama des Selbstzweifels beherrscht er weniger.

Dafür mischt er mit Bielfeldt zweistimmig die Sauna auf und gräbt bei dem Pop-Schlager „Schöner war’s mit Dir“ tief in der Vergangenheit. Mit einer Prise Tunten- und Lausbubencharme, Dialektwitz und Gesichtsakrobatik verführte er die Gäste, die sich mit tosendem Applaus bedankten. Zwei großartige Künstler auf hohem Niveau.

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