Schauspieler Vadim Glowna starb mit 70

Charakterkopf mit Sinn für Abgründe

Spielte viele Bösewichte: Vadim Glowna. Foto:  dpa

Als Nachtpage im Hotel, Seemann, Schulabbrecher, Dieb und unter den Brücken von Paris hatte Vadim Glowna vielfältigste Eindrücke, Erfahrungen, viel Leben gesammelt. Er war ein Schauspieler, der nie nur zwischen Theaterkantine und Bühne, Filmkamera und Garderobe wechselte, sondern wusste, wie es draußen in der Welt zuging. Das floss in sein intensives Spiel ein. Mit 70 Jahren ist der Schauspieler in der Nacht zum Dienstag nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben. Das gab gestern seine Agentur bekannt.

Geboren am 26. September 1941 im schleswig-holsteinischen Eutin, wuchs er in den Trümmern Hamburgs auf. Sein Familienname stammt vom polnischstämmigen Adoptivvater. Die wilden Jugendjahre schufen für seine Schauspielkunst den lebendigen Hintergrund. Vor dem Vadim Glowna aber nie exaltiert, sondern meist zurückgenommen und fast nach innen gekehrt spielte.

Gustav Gründgens entdeckte Glowna 1961 für eine Rolle in „Faust II“. Der Beginn einer langen Bühnenkarriere, in der er in Bremen bei Peter Zadek und in München an den Kammerspielen wirkte.

Bald entdeckte der Film Vadim Glownas ausdrucksstarkes Gesicht. Glowna drehte mit Claude Chabrol und Klaus Kinski, mit Sam Peckinpah und Oskar Roehler. Für seine Rolle in dessen Film „Die Unberührbare“ wurde er für den Deutschen Filmpreis nominiert. Auf subtile Art ließ sich Glowna auf seine Figuren ein, brauchte kein Tamtam.

Das Fernsehen engagierte Glowna gern als Bösewicht. In TV-Krimis wie der „Tatort“-Reihe, „Ein Fall für Zwei“, „Derrick“ oder „Rosa Roth“ wirkte er mit, führte auch selbst Regie. Für Aufsehen sorgte in jüngerer Zeit seine Figur des verbitterten Ex-BKA-Chefs Paul Krafft im Edersee-„Tatort“ „Wie einst Lilly“ mit Ulrich Tukur als Ermittler und des Lissaboner Kardinals Jorge da Costa im ZDF-Sechsteiler „Borgia“.

Weitere Filmerfolge waren: „Im Schatten der Großstadt“, „König Blaubart“, „Ein fliehendes Pferd“, „Gruppenbild mit Dame“ und „Steiner - Das Eiserne Kreuz“.

Glowna war viele Jahre mit der Schauspielerin Vera Tschechowa verheiratet, mit der er eine Filmfirma aufbaute. Ihren Sohn hatte er adoptiert.

Von Bettina Fraschke

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