Doppelkonzert im Kulturzentrum Schlachthof

Charmant, bissig

Guro von Germeten

Kassel. Gut, das Akkordeon stand nicht so im Mittelpunkt wie erwartet. Es fungierte an diesem Abend eher als Begleitinstrument für zwei beeindruckende Musikerpersönlichkeiten, wie sie gegensätzlicher kaum sein können, die aber ein tiefes Verständnis für gut gemachte Kabarett-Songs verbindet.

Guro von Germeten, die sympathische Norwegerin, entfaltet - nur begleitet von ihrem roten Akkordeon - einen Reigen atmosphärischer Chansons, in Musik gegossene Kurzgeschichten, die sie mit ihrer sehr wandelbaren Stimme theatralisch vorträgt. In gebrochenem Deutsch, charmant moderiert, entstehen Bilder ihres ersten Straßenmusikauftritts in Paris, von trinkfesten Seemännern und von der Suche nach dem richtigen Mann im Zirkus. Als Zugabe erklingt Tom Waits’ „Tango Till They’re Sore“, und damit wird das Staffelholz stilsicher an Geoff Berner weitergereicht.

Was hier zunächst nur wie ein schräges Trio wirkt, „die Tradition verlangt, dass wir nach jeder Strophe einen Schluck Whiskey trinken“ (was auch zelebriert wird), entpuppt sich schnell als ein scharfsinniges Song-Kabarett in bester Klezmer-Tradition. Geoff Berner drückt den Daumen in politische Wunden und gibt Antworten auf die großen Fragen des Lebens. Dabei werden die untergründigen Texte immer wieder von Diona Davies’ Geigenstimme aufgefangen. Und im Einklang von markantem Akkordeon-Bass und Wayne Adams’ Schlagzeug-Synkopen nimmt der Klezmer-Zug auch musikalisch Fahrt auf.

So ergibt sich einer dieser wunderbaren Abende im Schlachthof, an denen die Erwartung vielleicht zunächst in eine andere Richtung geht, aber ein neugieriges Publikum, diesmal rund 60 Zuhörer, reich mit neuen Eindrücken beschenkt wird.

Von Hartmut Schmidt

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