Charmante Songs vom Betrügen: Die bezaubernden Liebeslieder der Hamburgerin Anna Depenbusch

Sie kann fast alles: Anna Depenbusch (33) macht Chansons, Polka, Country, Klassik, Disco und Zirkusmusik. Foto:  Bothor / 105 music

Man könnte sie auch als Singer/Songwriterin titulieren, doch Anna Depenbusch bevorzugt eine andere Bezeichnung: „Ich bin eine Liedermacherin“, sagt die 33-Jährige im Restaurant eines Frankfurter Hockeyclubs, wo sie für Journalisten Lieder ihres zweiten Albums „Die Mathematik der Anna Depenbusch“ vorsang, sich selbst am Klavier begleitend. „Auch wenn viele bei Liedermachern noch an die Zottels aus den Siebzigern denken, fühle ich mich dieser Tradition verbunden.“

Anna Depenbusch, die in ihrem Geburtsort Hamburg lebt, macht Lieder, die man als eigenwillig bezeichnen kann. 2005 trat sie erstmals mit einem eigenen Album in Erscheinung. Auch wenn „Ins Gesicht“ kein kommerzieller Erfolg wurde, ließ Anna aufhorchen. Für ihren auf „Ins Gesicht“ enthaltenen Song „Heimat“ bekam sie 2009 den Deutschen Musikautorenpreis in der Kategorie Nachwuchs.

Bereits vor der Liedermacherinnen-Laufbahn probierte sich Depenbusch gründlich aus. Die Autodidaktin, die The Police, Edith Piaf, Björk und Rufus Wainwright verehrt, sang in Popbands, Jazzkombos, Chören und verdiente ihr Geld als Interpretin für TV-Werbespotsongs, etwa für ein großes deutsches Mobilfunkunternehmen.

Ihren Stil ordnet sie so ein: „Meine Platte ist ein bisschen wie 100 Jahre Popgeschichte. Ein Mixtape durch verschiedene Stile und Epochen.“ In der Tat ist alles drauf - Chanson, Polka, Country, Klassik, Disco und Zirkusmusik. Trotzdem ergibt „Die Mathematik der Anna Depenbusch“ kein Stückwerk. Sondern eine bezaubernd charmante, leicht melancholische, aber immer auch mit augenzwinkerndem Lächeln vorgetragene Songsammlung.

Ihre neuen Lieder hat sie während zweier Winter im Schloss Salzau am Selenter See bei Kiel geschrieben, nebenbei hat sie sich dort noch das Klavierspiel beigebracht und fungierte als Hausmeisterin in dem verlassenen Gebäude. „Das war wie in Stephen Kings ‚Shining’. Unheimlich, aber auch sehr schön.“

Dass Depenbusch keine Einsiedlerin ist, merkt man spätestens an ihren Texten. Die drehen sich ums Zwischenmenschliche und die tendenzielle Unmöglichkeit, eine dauerhafte Beziehung inklusive klassischer Ideale aufrechtzuerhalten. Oft wird in ihren Songs betrogen, und selten sind dabei alle glücklich.

„Die Texte sind schon persönlich“, sagt Depenbusch, „doch man sollte jetzt nicht denken, dass ich notorisch fremdgehe. Ich bin schon ein treuer Mensch, bloß macht es mir großen Spaß, in meinen Liedern zu überziehen.“

Apropos: Neben der Musik beschäftigt sich Anna an der Medizinischen Hochschule Hannover mit der Lehre der Synästhesie - der Kopplung zweier eigentlich getrennter Wahrnehmungsbereiche wie Farben und Gerüche. Aber das ist eine andere Geschichte. Die Mathematik der Anna Depenbusch (105 Music / Sony Music). Wertung: !!!!:

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