20-Jähriger aus Kassel

In den Charts vor Paul McCartney: Der Erfolg von Milky Chance

Seine Single „Stolen Dance“ steht auf Rang drei der iTunes-Charts: Im Juni begeisterte Milky Chance auf dem Kasseler Hessentag.

Kassel. Es ist eine hübsche Pointe, dass die Geschichte von Milky Chance ausgerechnet im Jubiläumsjahr der Brüder Grimm spielt. Die Märchenerzähler aus Kassel hätten ihre Freude an dem 20-jährigen Musiker, der vor einem Jahr Abi an der Kasseler Jacob-Grimm-Schule gemacht hat und nun in den Charts vor Stars wie Casper und Paul McCartney steht.

Nicht nur die Single „Stolen Dance“, die beim Onlinehändler iTunes auf Rang drei steht, erzählt eine unglaubliche, aber wahre Geschichte. Milky Chance ist Kassels erfolgreichster Pop-Export.

Gerade ist das bereits im Mai veröffentlichte Debütalbum „Sadnecessary“ mit 14 sehr schönen Songs zwischen Singer-Songwriter-Folk und Indietronic noch einmal erschienen. Bislang gab es die ausverkaufte CD nur über die Plattenfirma Lichtdicht Records, die Freunde eigens für Milky Chance gegründet haben, sowie als MP3-Album. 80 000 Downloads hat Tobias Herder von Lichtdicht insgesamt gezählt.

Der Sänger und Gitarrist Clemens Rehbein erobert mit seinem Kumpel und Beatbastler Philipp Dausch von Kassel aus Europa.

Nun haben sich die Jungunternehmer, die alle Anfragen von großen Plattenfirmen ablehnten, mit den Vertriebspartnern Pias und Rough Trade zusammengetan. Dort ist man sich sicher, dass „Sadnecessary“ auch europaweit ein Hit wird. Es ist ein Wunder, das selbst im Internet-Zeitalter nicht häufig vorkommt.

Passend dazu hat Milky Chance eine märchenhafte Verwandlung hinter sich. Bislang versteckte sich hinter dem Namen der Sänger und Gitarrist Clemens Rehbein. Nun ist es ein Duo, das von Rehbeins Kumpel Philipp Dausch komplettiert wird. Die beiden spielten einst in der Jazz-Band Flown Tones. Nach dem Abi hatten sie eine Europareise geplant, doch dann nahmen sie bei Rehbein zuhause die Lieder auf. Alles nahm seinen Lauf.

Die Europareise holen die beiden nun nach. Gerade touren sie durch die Schweiz. Im Frühjahr folgen weitere Länder von Skandinavien bis Italien. Dausch (20) sorgt am Laptop für die Beats, die die Fans zum Tanzen bringen. Das Geheimnis ihres Erfolgs ist, dass sich die Musik schwer einordnen lässt. Man hört Rehbeins Vorliebe für Reggae und Jack Johnsons lässigen Surfer-Sound heraus. Seine heisere Stimme klingt nach Tom Waits, es gibt aber auch Beach-Boys-Chöre und Techno-Anleihen. Milky Chance funktioniert im coolen Club ebenso wie im Formatradio.

Rehbein kann seinen Erfolg manchmal selbst nicht ganz fassen, wie er gerade in einem Video erzählt hat. Auf seiner Website gibt es zudem einen Clip, der das Duo auf Tour zeigt – etwa in Hamburg und beim umjubelten Konzert im mittlerweile geschlossenen Kasseler Club Batterie. Die Bilder beweisen: Das ist kein Märchen.

Milky Chance: Sadnecessary (Lichtdicht). Wertung: 5 von 5 Sternen 

Benefizkonzert von Milky Chance zugunsten einer Delfin-Therapie für behinderte Kinder: 9. November, Hofgeismar, Käthe-Kollwitz-Schule. Karten u.a. in der Kasseler Wild Wood Gallery, 0561/92019949.

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