Weltmusikfestival: Solisten begeistern bei der Akkordeonale in der Adventskirche auch gemeinsam

Chemie war besonders stimmig

Die ganze Vielfalt eines Instruments: Überzeugende Solisten bilden bei der Akkordeonale ein tolles Ensemble. Foto: Schachtschneider

Kassel. Für Akkordeon-Fans bedeutet sie ein absolutes Muss, also wunderte es nicht, dass die Akkordeonale im Rahmen des Weltmusikfestivals am Dienstagabend in der Adventskirche restlos ausverkauft war. Wieder schaffte es Initiator Servais Haanen, die ganze Vielfalt des Instruments zu präsentieren, und trotz der extrem unterschiedlichen Wurzeln war die Chemie im Ensemble diesmal besonders stimmig.

Der Abend folgt dem Ritual, dass sich aus den Einzelvorstellungen der Spieler Ensembles in steigender Dichte herauskristallisieren. Gerade im Solo werden die spezifischen Akkordeon-Typen und Spieltechniken greifbar. Andre Thierry präsentiert seinen Zydeco-Blues authentisch auf einer knurrigen, kleinen, diatonischen Harmonika. Ähnlich die Folk-Kollegin Janire Egana Zelaia aus dem Baskenland, welche mit flinken Fingern auf dem stilechten Trikitixa-Akkordeon unterwegs ist.

Maurizio Minardi gestaltet in „Marcello“ mit seiner auffälligen schwarz-roten Beltuna gekonnt eine musikalische Reminiszenz an alte italienische Filme.

Der schwedische Klassik-Virtuose Daniel Andersson intoniert den „Winter“ aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ so überzeugend, dass man bei geschlossenen Augen fast ein Orchester vermuten würde. Und natürlich ist Servais Haanen dabei: als Organisator, Komponist, exzellenter Musiker und wie immer kabarettreifer Entertainer: „Gleich gibt’s die Bratpfanne“, lautet eine solche Ansage. Diese wird von Vanesa Muela in einem umwerfenden Percussion-Solo bespielt. Die Spanierin steuert als markante Begleitmusikerin neben vielfältigsten Rhythmen stilechten Gesang bei. Mit von der Partie ist auch der famose Hackbrettspieler Christoph Pfändler, der mit silbrigen Linien die Melodien verstärkt. „Die Mazurka von der Möglichkeit, ein aufrechtes Leben zu führen“ ist eines von Haanens wunderbaren Ensemblestücke betitelt, ein durchaus politisch gemeinter Kommentar zur Gegenwart.

Zwei Zugaben und Standing Ovations, verbunden mit der Vorfreude auf die nächste Akkordeonale.

Von Hartmut Schmidt

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