Ein Chor-Erlebnis: Das

Große Musik: Eckhard Manz leitete die Kantorei St. Martin.

Kassel. In die ehrwürdige Kathedrale von Canterbury versetzte die Kantorei St. Martin die gut 500 Zuhörer in der Kasseler Martinskirche zu Beginn ihres Passionskonzerts. Aufgeteilt in acht Chöre (!) sangen die 65 Kantoreimitglieder im Raum verteilt Thomas Tallis berühmte Motette „Spem in alium“ für acht mal fünf, also 40 Stimmen. Ein Klangerlebnis besonderer Art, wie sich die Renaissance-Harmonien im Raum verteilten und immer wieder zu einem kraftvollen Gesamtklang zusammenfanden - alles fein koordiniert vom Chorleiter Eckhard Manz.

In andere Ausdruckssphären führte Johann Sebastian Bachs fünfstimmige Motette „Jesu, meine Freude“ - ein Gipfelwerk der Chormusik, das dokumentiert, welch herausragende Bedeutung dem Choral im Protestantismus zukommt. Eine eindringlichere, stimmigere und dabei auch unangestrengtere Darbietung dieses Werks wird man selten hören. Eckhard Manz und der Martinskantorei gelang eine wunderbare Synthese aus fließendem Choralgesang, feiner Phrasierung wie Diktion und aufwühlender Expressivität - und eine Darbietung, die bis zum sanft ausklingenden „Weicht, ihr Trauergeister“ die musikalische und textliche Spannung hochhielt.

Für viele eine Entdeckung war die selten aufgeführte Messe e-Moll für bis zu achtstimmigen Chor und Bläserorchester von Anton Bruckner. Eine harmonisch fortgeschrittene, äußerst ausdrucksstarke und kontrastreiche Messvertonung, von der die vier Sätze Kyrie, Gloria, Credo und Agnus Dei aufgeführt wurden.

Schon die aparte Besetzung, bei der die Bläser oftmals die Chorstimmen unterstützen und nur gelegentlich solistisch in Erscheinung treten, vermittelte ein besonderes Klangerlebnis, etwa als beim Kyrie die Hörner plötzlich dem Chorgesang eine wunderbare Grundierung gaben.

Starke erzählerische Qualitäten entwickelt Bruckner im farbigen Gloria, das in einem höchst anspruchsvollen „Amen“-Teil endet, dessen chromatisch verschachtelter polyfoner Satz von der Kantorei souverän bewältigt wurde. Auch diese Messe verklang wie die Bach-Motette leise - und hinterließ doch einen so nachhaltigen Eindruck.

Langer Beifall für den Dirigenten, den Chor und die Bläser des Orchesters - und eine wunderbare Zugabe: das Doppelquartett „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ aus Mendelssohns „Elias“. Foto: Malmus

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