Die Kantorei der Kreuzkirche präsentierte Bachs h-Moll-Messe

Kassel. Wodurch bleibt ein Gipfelwerk wie Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe eigentlich lebendig? Natürlich tragen hochqualifizierte Ensembles maßgeblich dazu bei, doch sollte die Leistung anderer Chöre ebenfalls geschätzt werden.

 Es ist einfach toll, wenn ein Amateur-Chor sich der Riesenaufgabe stellt und damit seinen Beitrag leistet, das kulturelle Erbe zu bewahren – wie am Sonntag die Kantorei der Kreuzkirche Kassel in der fast vollen Martinskirche.

Chorleiter Jochen Faulhammer, ein ausgewiesener Experte für Alte Musik, formulierte im Programmheft den zutreffenden Gedanken: „Gerade aber ein Werk wie die h-Moll-Messe ist als erlebte Musik eine Grenzerfahrung, die für diejenigen, die sie machen dürfen, einen unschätzbaren Reichtum bietet.“ Dieser innere Gewinn der Chorsänger wird leicht übersehen, wenn man nur die Darbietung von Top-Ensembles gelten lässt.

Doch davon abgesehen, machte der rund 100-köpfige Chor die Musik auf emotionale Weise lebendig. Ja, er schien alles zu geben. Grandios etwa das rasant-jubilierende „Cum Sancto Spiritu“ in jäher Beschleunigung nach der „Quoniam“-Arie.

Neben Jochen Faulhammer, der die Kantorei zum Erfolg führte, trugen weitere Spezialisten zum Gelingen bei. Den instrumentalen Originalklang steuerte das versierte Göttinger Barockorchester bei – unter anderem mit weich klingenden Flöten, Trompetenglanz und dem agilen Violinsolo von Konzertmeister Hans-Henning Vater. Ausgeglichen besetzt waren die Gesangssoli mit Johanna Neß (Sopran), Marie-Sande Papenmeyer (Mezzosopran), Antje von Adingen (Alt), Thomas Jakobs (Tenor) und Stefan Zenkl (Bariton), wobei Neß und Zenkl besondere Qualitäten zeigten.

Eine gelungene Klangidee war es, das schmerzliche „Crucifixus“ in solistischer Besetzung zu präsentieren, auch die berührende Alt-Arie „Agnus Dei“ verfehlte nicht ihre Wirkung. Es gab langen Beifall nach Musik von unschätzbarem Reichtum.

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