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Christoph Maria Herbst vor Auftritt in Kassel über die Komik eines Ehekrachs

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Links Annette Frier und Rechts Christoph Maria Herbst
Gastspiel Die Kunst recht zu behalten oder: Du mich auch! Streitgespräche der Weltliteratur mit Annette Frier & Christoph Maria Herbst Dienstag, 13. Dezember, 19 Uhr, Schauspielhaus © Network Movie

Ein vergnügliches Feuerwerk des Ehezwists verspricht das neue Programm von Annette Frier und Christoph Maria Herbst, mit dem sie am Dienstag, 13. Dezember, im Staatstheater Kassel zu Gast sind.

In der Comedy-Serie „Merz gegen Merz“ haben die beiden bereits gezeigt, welch komische Facetten Gezeter unter ehemals Liebenden haben kann. Über ihr Programm „Die Kunst, Recht zu behalten oder: Du mich auch“ äußerte sich Christoph Maria Herbst im Interview.

Wieso ist es so lustig, einem Paar beim Streit über eine Tiefkühlpizza zuzusehen?

Auf Jahrmärkten gab es die gute alte Tradition des Zerrspiegels. Das war doch immer ein Riesenspaß, in ihm nur eine Ahnung von sich selbst zu sehen, eine konkave, konvexe, überdehnte oder verzwergte Ahnung. Annette und ich erleben es sehr oft, dass wir Leute murmeln hören: Genau wie Du. Und dann lächeln beide.

Wenn in italienischen Filmen sich Ehepaare fetzen, wirkt das gar nicht verletzend, sondern eher wie ein lieb gewonnenes Ritual. Können wir Deutschen nicht streiten?

In diesen Filmen scheint die Sonne und Adriano singt „Azzurro“: der perfekte Urlaubstrigger. Dazu kommt noch dieses herrliche Gestikulieren und fertig ist die Choreografie. Ich schätze, wir romantisieren dort eine Menge hinein. Irgendwie wirkt der Trevibrunnen vielen vertrauter als das Räuchermännchen aus dem Erzgebirge. Für den nächsten Streit einfach mal in die Lieblingspizzeria gehen – klappt meistens.

Klingt nach einem guten Rezept für jede Beziehung. Danach werden ja Ehepaare spätestens bei der Diamantenen Hochzeit gefragt. Was würden Sie antworten?

Huch, das fragen Sie mich? (lacht) Nun ja, ich denke, Vertrauen und Vertrautheit sind wichtige Bestandteile. Zudem sollte man den Respekt nie verlieren und den Partner auch mal in Ruhe lassen. Liebe soll auch ganz hilfreich sein …

Für das Programm haben Annette Frier und Sie auch Literatur von der Bibel über Shakespeare, Mark Twain bis zu Tucholsky durchforstet. Wie kam es zu der Auswahl?

Wir wollten ein möglichst buntes thematisches Crossover, das unserer Meinung nach am treffendsten die Vielfalt der Situationen, die zu Streitereien führen können, abbildet.

Und welcher Autor macht bei Ihnen das Rennen?

Boah, ich kann jetzt unmöglich Shakespeare gegen Tucholsky ausspielen, tu es aber trotzdem: Kurt führt vor William mit einer hauchdünnen Mehrheit. Er ist für mich dann doch noch mal prägender und einprägsamer.

Zum Programm gehören auch Szenen von Ralf Husmann, dem Autor von „Stromberg“ und „Merz gegen Merz“. In den drei Staffeln dieser erfolgreichen Serie machen Sie sich gegenseitig das Leben schwer und dem Zuschauer leicht. Wie geht das?

Gute Frage. Ich schätze, der Voyeur hat’s immer leicht. Er sitzt im Warmen, trinkt ein Glaserl und lässt andere an seiner Statt machen. Im besten aristotelischen Sinne erlebt die Zuschauerschaft eine Katharsis und geht erleichtert aus dem Fernsehabend hervor.

Das klingt kompliziert…

Ich könnte es auch weniger gestelzt sagen: „Merz gegen Merz“ ist einfach schweinelustig. Das Genre Komödie bleibt eben die Königsdisziplin. Und weil es so schön ist, darf ich Ihnen exklusiv mitteilen, dass wir im März noch einen 90-Minüter über die Merzens drehen.

Zurück zum Abend im Kasseler Schauspielhaus: Ist er nun eine gute Ehevorbereitung oder sollten ihn doch lieber Singles besuchen?

Singles werden denken: Puh, nix verpasst. Eheleute: Wir können das besser. Sie sehen, alle kommen auf ihre Kosten. (Christine Lang-Blieffert)

Service: „Die Kunst, Recht zu behalten oder: Du mich auch“, Dienstag, 13. Dezember, 19 Uhr, Schauspielhaus. Karten unter Tel.  05 61/1 09 4222, staatstheater-kassel.de

Zur Person

Christoph Maria Herbst (56) stammt aus Wuppertal. Er wurde durch Comedy-Sendungen wie „Ladykracher“ bekannt. Für „Stromberg“ erhielt er den Adolf-Grimme-Preis und dreimal den Deutschen Comedypreis. Derzeit ist Herbst in „Der Nachname“ und in „Hui Buh und das Hexenschloss“ im Kino zu sehen. Er lebt mit seiner Frau, mit der er seit 13 Jahren liiert ist, in Köln. 

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