Clip aus dem Netz: Die Blockflöte des Todes singt die FDP ins Jenseits

Man kann über die FDP sagen, was man will: Die Liberalen zerstören sich gerade selbst, aber sie bringen (wenn auch unfreiwillig) den Humor in die Politik zurück.

Und die Partei, die bei der Berliner Landtagswahl desaströse 1,8 Prozent der Stimmen erhielt, schafft es sogar, jemanden, der sich sonst nicht groß für Politik interessiert, politisch werden zu lassen.

Der Berliner Musiker Matthias Schrei hat sich bislang „immer von Politik ferngehalten“, wie er unserer Zeitung sagt. Nun aber hat er unter seinem genialen Künstlernamen Blockflöte des Todes den Anti-Liberalen-Song „Ich hab nie FDP gewählt“ gemacht, der von Sozialdemokraten wie dem nordhessischen Bundestagsabgeordneten Edgar Franke auf Facebook gepostet wird.

Im Video zur hübschen Easy-Listening-Nummer sitzt Schrei auf dem Sofa und singt im gelben Hemd davon, dass er zahlreiche Fehler gemacht habe. Er gesteht, dass er „erst neulich in meiner Doktorarbeit Guttenberg zitiert“ habe, und schwört bei seinem rechten Bein, dass er nie FDP wählen werde. Jemand wie der Generalsekretär Christian Lindner könnte nun einwenden, dass so etwas eben nicht politisch, sondern einfach nur gaga sei. Andererseits hat die Partei nach all den Eskapaden auch die dümmste Satire verdient.

Schrei kam auf das Lied, als er mit dem Rad an einem Wahlplakat vorbeifuhr, auf dem der Slogan stand: „Warum teilt die FDP nicht den Traum von einer autofreien Stadt? Weil keine Frau der Welt mit dem Fahrrad zum Kreißsaal möchte.“ Sogar der Berliner Hebammenverband protestierte in einem offenen Brief gegen das Plakat, das „wehtut“, wie Schrei meint.

Weil sein Lieblingshemd wie die FDP-Farbe gelb ist, dachte er sich: „Jetzt muss ich mich mal abgrenzen.“ Nun hat der 30-Jährige mit dem Clip so viel Aufmerksamkeit bekommen wie bislang nur vor einem Jahr durch seine Teilnahme an Stefan Raabs Bundesvision Song Contest, wo er für sein Heimatland Sachsen Elfter wurde. Damals sang der ehemalige Beerdigungsorganist im Folk-Lied „Alles wird teurer“ über fair gehandeltes Koks.

Als Blockflöte des Todes bringt er den Humor in die deutsche Singer/Songwriterszene zurück. Selbst über kleinen Tragödien des Alltags kann Schrei lachen, der ohne Fernseher, Radio und Zeitung lebt. Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus wollte er eigentlich Martin Sonneborns Partei wählen, für die alles nur ein großer Spaß ist. Dann aber kam Schrei erst zwei Minuten nach sechs am Wahllokal an - der Zug hatte Verspätung. (mal)

Die Blockflöte des Todes spielt am Freitag, 7. Oktober, 21 Uhr, im Kasseler Kulturzentrum Schlachthof, Mombachstraße 10-12. Karten: 0561/203-204.

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