Clip aus dem Netz: Zappen mit Bob Dylan

Sie singen Bob Dylan: Szenen aus dem Video zu „Like A Rolling Stone“. Fotos: nh

Kaum ein Medium wurde in den vergangenen Jahren so oft für tot erklärt wie das Musikvideo. Mit dem Ende des Musikfernsehens, so hieß es, sei auch der Clip als Kunstform gestorben.

Dabei kann man die These bereits mit einem Blick auf seine Facebook-Seite widerlegen, wo einem von Freunden täglich Dutzende mehr oder weniger gelungene Filmchen empfohlen werden.

Der derzeit originellste Clip stammt nun ausgerechnet von einem Musiker, der schon ein Star war, bevor es Musikvideos überhaupt gab. Für seinen größten Hit „Like A Rolling Stone“ hat Bob Dylan (72) von dem israelischen Regisseur Vania Heymann einen interaktiven Film drehen lassen, in dem die Zuschauer per Computertastatur zwischen 16 Kanälen umschalten können.

Es gibt einen Homeshoppingsender, Sportnachrichten, die US-Version der Quizshow „Der Preis ist heiß“ und Reality-TV-Formate wie die Pfandhaus-Reihe „Pawn Stars“. Der Clou: Alle Protagonisten bewegen ihre Lippen zum Liedtext, in dem es um ein Mädchen aus gutem Haus geht, das auf der Straße landet. Der Begriff „Rolling Stone“ bezeichnet dabei einen Herumtreiber.

Bob Dylan

„How does it feel?“, heißt es im Refrain. Und es fühlt sich nicht gut an, wenn man im Clip auf einem Überwachungsvideo ein Opfer sieht, das jene Zeile zu singen scheint. Der Film besteht aus 75 Minuten Material, ist große Kunst, vor allem aber Werbung für eine 47 CDs umfassende Gesamtwerkbox des Altmeisters.

Das klingt rekordverdächtig, eine wirkliche Bestmarke hat jedoch gerade Dylans 32 Jahre jüngerer Kollege, der HipHop-Musiker Pharrell Williams, aufgestellt. Sein Clip zu „Happy“ wird als „erstes 24 Stunden langes Video der Welt“ beworben und dauert eben genau einen Tag. Verantwortlich dafür sind das Kollektiv We are from L.A. und Regisseur Yoann Lemoine, der als Woodkid selbst ein Popstar ist.

Beide Videos gibt es nicht bei Youtube, dem größten Filmarchiv, sondern nur auf den Künstlerseiten, was zeigt, dass man dem Internetgiganten ein Schnippchen schlagen kann. Ganz sollte man das 24 Stunden lange „Happy“ allerdings nicht anschauen – man würde vor Langeweile sterben. Und die Frage bleibt: Wann soll man das alles gucken?

Bob Dylan: Like A Rolling Stone

Pharrell Williams: Happy

Von Matthias Lohr

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