So war da Festival an der Knallhütte

Clueso beim Oben-Festival in Baunatal: Wie beim Perlentauchen

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Enorme Spielfreude: Sänger Clueso sorgte mit einem Mix aus Pop, Rock, HipHop und Reggae für ausgelassene Stimmung beim Oben-Festival.

Baunatal. Anderssein wird entlohnt: Warum der Popsänger Clueso aus Erfurt so gut zum Oben-Festival passte.

Er singt vom Anderssein und weiß, dass das anstrengend ist. Clueso ist auf der Liste der Musiker, die am Samstag bei der Neuauflage des Oben-Festivals an der Knallhütte in Baunatal-Rengershausen auftraten, der, der anders ist. Songs von ihm werden im Radio rauf und runter gespielt. Das kann man von der Musik der Bands wie Großstadtgeflüster, Milliarden und Zugezogen Maskulin nicht behaupten. Sie sind nicht mainstream. Das ist das Oben an der Hütt-Brauerei auch nicht. Drei Gründe, warum der Erfurter, den die Festival-Macher als Headliner gebucht hatten, trotzdem hervorragend ins Programm passte.

1. Die Mischung

Beschäftigt man sich nur flüchtig mit ihm, steckt man Clueso schnell zu den allgegenwärtigen Deutschpop-Poeten. Solche Songs kann er auch. Aber eben noch viel mehr - Rock, HipHop und Reggae. Mit Haltung („Die Straßen sind leer“). „Es gehen nicht zu wenige Leute auf die Straße, sondern die falschen“, sagt der Sänger, der Thomas Hübner heißt, und in seiner Heimat Erfurt bei Demos gegen Rechts auf die Straße ging.

Auch im Oben steckt im Festival-Vergleich mehr. Das hat nicht nur mit den Besonderheiten wie Pools und Saunawagen auf dem Gelände zu tun: Auf den drei Bühnen für regionale Künstler und DJs und auf der Hauptbühne gibt es musikalische Entdeckungen. James Hersey, der aus Wien kommt und mit Austropop nichts am Hut hat, sondern eine Mischung aus Folk, Pop und Rock spielt (siehe Kritik in Kürze) und Hundreds mit ihrem atmosphärischen Electro-Pop gehören dazu. Auch die Kasseler Jungs von Mykket Morton begeistern mit ihrer „Volle Kanne Musik“ aus Indie, Folk und Pop.

2. Der Spaß

Clueso entwickelt eine enorme Spielfreude, die sich auf das Publikum überträgt. Statt mit dem Titelstück (und Charterfolg) seines Albums „Neuanfang“ zu starten, sorgen er und seine achtköpfige Band mit dem lässigen Reggaestück „Love The People“ (2004) dafür, dass alle mitsingen.

Sänger und Musiker verstehen sich hervorragend - auch beim Freestyle. Clueso rappt und macht aus der Knallhütte die „Bumshütte“. Er greift die Stimmung auf, ist fröhlich, voller Energie, ausgelassen („Jetzt kommt ein Song, bei dem es ums Vögeln geht.“). Und: Er setzt immer einen drauf. „Freidrehen“, „Chicago“, „Gewinner“ und „Neuanfang“ werden im Zelt wie Hymnen mitgesungen. Das kommt an. Genau wie das Oben - es macht Spaß.

Wow: James Hersey, der aus Wien kommt, aber mit Austropop nicht viel am Hut hat, gehört mit seiner Musik aus Folk, Pop und Rock zu den Entdeckungen.

3. Die Nähe

Auch die lässt Clueso zu: Greift nach den Händen der Fans, erzählt von seiner Fahrt in der Regiobahn nach Kassel („Ich dachte, wenn die noch langsamer wird, fährt sie rückwärts.“) und vom „unglaublich lustigen“ Udo Lindenberg, mit dem er 2011 den Song „Cello“ aufnahm. Er lässt mit Sängerin Kat Frankie („Wenn du liebst“) melancholische Gefühle zu und kommt später nach der Zugabe - als die meisten Leute schon das Zelt verlassen haben - zurück auf die Bühne, weil es so schön ist, das kleine Festival.

Auf Nähe setzt auch das Festival-Team. Diese Atmosphäre macht es möglich, dass man Sänger, die gerade noch umjubelt auf der Bühne standen, kurz darauf im Publikum sieht.

„Anderssein ist anstrengend. Man muss mehr Energie aufbringen, es wird aber entlohnt. Das ist wie Perlentauchen: Wenn man eine findet, hat es sich gelohnt“, hat Clueso im Interview mit unserer Zeitung gesagt. Das Oben-Festival ist solch eine Perle.

Großstadtgeflüster

„Wir haben nur eine Stunde Zeit und müssen Gas geben“, sagte Raphael Schalz von Grossstadtgeflüster. Das setzte die Berliner Elektropop-Band auch um. Das Publikum im randvollen Hauptzelt beim Oben-Festival tobte von Anfang an. Wenn die festivalerprobte Band eins kann, dann ist es, bei ihren Live-Auftritten Stimmung zu machen. Das Trio begeisterte mit seinen frechen, rasanten und derb-wortwitzigen Songs. Und das textsichere Publikum sang bei Songs wie „Fickt-Euch-Allee“ lautstark mit.

James Hersey

Auf der gleichen Bühne trat auch James Hersey auf. Der österreichisch-amerikanische Sänger hat seinen Song „What I’ve Done“ in Kassel aufgenommen. Bei „If You Love Me“ sang Hersey abwechselnd mit dem Publikum zu einem smoothen, Reggea-artigem Sound. Natürlich durften auch neue Songs wie „Miss You“ und „Pages“ von der gleichnamigen EP nicht fehlen. Der softe Elektro-Pop kam beim Publikum gut an.

Clueso beim Oben-Festival

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