Koffein für die Ohren: Jeff Lorber und Band im Schlachthof

Die Colts qualmten

Nicht nur für Spezialisten: Jeff Lorber während seines Auftritts im Schlachthof. Foto: Malmus

Kassel. Dass die Gäste nach einem Jazzkonzert wie ein Blitz aus den Sitzen springen und applaudieren, als hätte ihnen gerade AC/DC das Leben gerettet, erlebt man auch nicht so oft. Doch Pianist Jeff Lorber und sein Quartett servierten an diesem Abend eine derart scharfe Fusionkost, dass man ihnen auf diese impulsive Art und Weise den Respekt und die Anerkennung vermitteln wollte.

Das war pures Koffein für die Ohren, was die Westcoast-Elite in Sachen Instrumentalkunst und Energie im Kulturzentrum Schlachthof ablieferte. Wie man Jazz, Funk und Latin kreativ in einem kompositorischen Boliden verbaut und diesen dann im Arrangement fein abgestimmt mit solistischem Topspeed durch die Harmonien katapultiert, das beherrschen nordamerikanische Jazzmusiker wie sonst niemand.

Lorbers Spiel ist expressiv, geprägt von einem unerschütterlichen Selbstverständnis, modale Sprints mit druckvollem Akkord-Bashing geschmackvoll zu kombinieren. Alt- und Sopransaxofonist Eric Marienthal dagegen glänzt mit mutigen Intervallsprüngen, Klangspielereien und cooler Soulartistik, die für Transparenz in den verschachtelten Songstrukturen sorgt. Die Yellowjacketts-Rhythmus-Crew mit Will Kennedy am Schlagzeug und Bassist Jimmy Haslip gleicht einem Wunderwerk an Präzision. Unwiderstehlich das Timing, punktgenau die Abschläge, und wenn sie einmal die Hauptrolle übernahmen, qualmten die Colts.

Man sagt dem Genre nach, es sei Musik von Musikern für Musiker. Wenn auch fast die gesamte Kasseler Jazzszene die Gästezahl dominierte, so verkörpern Stars wie Jeff Lorber und seine Band doch auch ein Lebensgefühl, das man nicht auf die Begriffe intellektuell und elitär reduzieren sollte.

Von Andreas Köthe

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