Das Comeback des umstrittenen Rockstars Bertrand Cantat

Umstrittener Musiker: Der französische Rockstar Bertrand Cantat bei einem Auftritt im vorigen Jahr. Fotos: dpa

Paris. Nur langsam wagt er sich ins Rampenlicht zurück. Bereits vor einem Monat hat Bertrand Cantat in der neuen Duo-Formation Détroit mit dem Kontrabassisten Pascal Humbert das Album „Horizons“ („Horizonte“) herausgebracht, doch erst jetzt rang er sich zu einem ersten Interview durch. Nach allem, was er durchgemacht habe, empfinde er noch mehr Emotion als bei seinem musikalischen Debüt.

Bereits in der ersten Woche wurde die neue CD mehr als 30 000 Mal verkauft, obwohl Cantat, einst eine Ikone in Frankreich als Frontmann der Band Noir Désir, lange als Persona non grata galt, als Verkörperung von Gewaltexzessen und tödlichen Psychodramen.

So hätten viele das Comeback des 49-Jährigen nicht mehr für möglich gehalten. In den melancholischen Liedern hat er seine Zeit im Gefängnis verarbeitet und singt von Liebe - ausgerechnet er, der 2003 im Rausch die Frau getötet hat, die er doch geliebt haben will: die Schauspielerin Marie Trintignant. Und der zudem verantwortlich gemacht wird für den Tod der Mutter seiner zwei Kinder, Kristina Rády. Sie nahm sich 2010 das Leben.

Einige Medien boykottierten das Album zwar, insgesamt aber war das Echo enorm. Viel wurde diskutiert, ob Cantat eine zweite Chance verdient habe. Im Sommer 2003 hatte er im litauischen Vilnius während eines Streites seine Freundin Marie Trintignant bewusstlos geprügelt, für die er einige Monate zuvor seine mit dem zweiten Kind schwangere Frau Kristina Rady verlassen hatte.

Trintignant fiel ins Koma, Hilfe rief ihr Freund viel zu spät, sie starb wenige Tage später. Ein Selbstmordversuch Cantats scheiterte. Maries Vater, der Oscar-gekrönte Schauspieler Jean-Louis Trintignant, sagte später, er habe gedacht, Cantat würde sich umbringen: „Er hat es nicht getan. Das ist sein Problem.“

Wegen fahrlässiger Tötung wurde der Musiker 2004 zu acht Jahren Haft verurteilt, kam aber bereits 2007 frei und ging zurück zu seiner Frau, die im Prozess zu seinen Gunsten ausgesagt hatte. Ihren Eltern hingegen hinterließ Rády vor ihrem Suizid eine verzweifelte Nachricht auf dem Anrufbeantworten, auf der sie über Cantats Gewaltausbrüche klagt, einen „echten Alptraum, den er Liebe nennt“.

Die von ihm und dem Gitarristen Serge Teyssot-Gay gegründete Kultband Noir Désir, die ab Mitte der 80er Jahre eine der erfolgreichsten französischen Rockgruppen, aber während seiner Inhaftierung gezwungenermaßen aussetzte, zerbrach 2010 trotz eines geplanten Comebacks.

Er wolle keine Vergleiche mit Noir Désir, sagt der Sänger und Gitarrist heute, auch wenn er nicht ausschließt, bei den Konzerten 2014 alte Lieder zu spielen. Diese sind schon fast ausverkauft. Cantat boykottieren oder nicht? Viele seiner Fans haben sich entschieden.

Détroit: Horizons (Universal). Wertung: vier von fünf Sternen

Von Birgit Holzer

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