Interview mit Comedian Henni Nachtsheim: "Wir brauchen kein Feindbild"

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Eine Hälfte von Badesalz: Henni Nachtsheim

Interview: Badesalz-Comedian Henni Nachtsheim (53) über den Abgang von Roland Koch und das aktuelle Programm.

Herr Nachtsheim, Ihren Auftritt mit Badesalz im Juni in Vellmar mussten Sie wegen eines Infekts 24 Stunden vorher absagen. An diesem Sonntag holen Sie das Gastspiel nach. Geht es Ihnen gut?

Henni Nachtsheim: Ja, damals hatte ich einen hartnäckigen Magen-Darm-Virus. Es war mir zu gefährlich, den Auftritt vielleicht auf der Bühne abbrechen zu müssen. Das ist ja das Allerschlimmste. Später hatte ich noch eine verschleppte Lungenentzündung und siebeneinhalb Wochen Bronchitis. Meiner Stimme hat man das noch lange angehört, aber mittlerweile geht es wieder gut.

Sie mussten nicht nur gesundheitlich einiges einstecken. Ihr liebster Gegner Roland Koch ist weg, die Frankfurt Lions, denen Sie eine Eishockey-Hymne geschrieben haben, sind pleite, und die Fußballer der Frankfurter Eintracht sind auf dem besten Weg in die zweite Liga.

Nachtsheim: Das letzte ist natürlich völliger Quatsch. Niemals wird die Eintracht diese Saison absteigen. Das mit den Lions ist in der Tat tragisch. Was ist jetzt eigentlich mit den Kassel Huskies?

Die gibt es auch nicht mehr.

Nachtsheim: Schade. Richtig bewusst wird uns das wohl erst, wenn die DEL beginnt und Mannheim gegen Dings spielt und die Lions und die Huskies nicht mehr dabei sind. Für Frankfurt ist das ein sportkultureller Verlust. Das war eine richtige Familie, die sich da getroffen hat. Diesen Menschen hat man viel genommen.

Und was ist mit Koch?

Nachtsheim: Koch ist weg, aber ich kann es noch nicht glauben. Ich überprüfe die ganze Zeit, ob er nicht wiederkommt. Nein, in Wirklichkeit bin ich da relativ emotionslos. Wir sind nicht die Kabarettisten, die so ein Feindbild brauchen.

Auch in Ihrem aktuellen Programm taucht Politik nur am Rand auf. Worum geht es in „Bindannda“?

Nachtsheim: Es gibt feste Figuren und eine Rahmenhandlung. Anders als früher machen wir jetzt Comedy-Theaterstücke, in denen nicht mehr eine Nummer die andere ablöst. Und wir müssen auch nicht mehr in 30 verschiedene Rollen schlüpfen - wir hatten keine Lust mehr am permanenten Verkleiden. Es ist doch interessanter, wenn sich die Charaktere im Verlauf eines Abends entwickeln können. Ich spiele einen Dosenfabrikanten, der von seiner Frau einen Flug mit einem Paraglider geschenkt bekommt, in der Pampa abstürzt und auf einen Aussteiger trifft.

Ist die Pampa Nordhessen?

Nachtsheim: Nein, wieso?

In Frankfurt sagt man doch statt Nordhessen lieber Hessisch-Sibirien. Gibt es überhaupt eine hessische Identität?

Nachtsheim: Absolut. Der Kabarettist Matthias Beltz hat einmal gesagt: „Die Hessen sind umzingelt von lauter Deutschen, haben keinen Zugang zum Meer, zu den Alpen und zum Ausland und daher keinen direkten Kontakt zur Freiheit.“ Das prägt einen. Von der Mentalität gibt es natürlich Unterschiede. Der Südhesse ist hibbeliger und im positiven Fall lebhafter, der Nordhesse wirkt ein bisschen in sich gekehrter. Aber wenn wir für den Hessischen Rundfunk im Kasseler Studio die Rate-Sendung „strassen stars“ aufzeichnen, merken wir, dass das Publikum auffallend oft gut gelaunt ist.

Badesalz, Sonntag, 26. September, 20 Uhr, Mehrzweckhalle Vellmar-Frommershausen. Karten: 0561/203-204.

Zur Person

Hendrik Nachtsheim (rechts) wurde am 15. März 1957 in Wuppertal geboren und wuchs in Neu-Isenburg bei Frankfurt auf. Bekannt wurde er als Sänger und Saxofonist der Rockband Rodgau Monotones, die 1984 mit „Die Hesse komme“ ihren größten Hit landeten. Mitte der 80er-Jahre machte er mit Gerd Knebel (links) als Badesalz-Duo Comedy in Deutschland populär. Nachtsheim tritt außerdem als Solomusiker auf, schreibt Fußball-Kolumnen und unterhält im Rateteam der HR-Sendung „strassen stars“. Der 53-Jährige hat drei Kinder und wohnt in Rödermark. (mal)

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