Sat.1-Comeback

Comedian kehrt mit Show zurück: Kaya Yanar wird alterswild

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„Guckst Du?!“: Kaya Yanar taucht ein in die schönsten Liebesfilme - in der ersten Folge seiner großen Kinoshow.   

Mit „Guckst du?! Kayas große Kinoshow“ kehrt  Kaya Yanar heute Abend zu Sat.1 – und auch auf den Bildschirm – zurück.

Darüber und über seine neue Bühnenshow „Ausrasten! Für Anfänger“, sprachen wir mit ihm. 

In Ihrer Sat.1-Show geht es um die Welt des Films. Welcher Superheld wären Sie gerne?

Kaya Yanar:Superman wäre cool. Dem kann nichts passieren - der Mann aus Stahl. Er hat den Röntgenblick, den Hitzeblick, ist unkaputtbar. Er kann durch die Gegend fliegen. Der Typ hatte keine Sorgen.

Was geht für Sie so gar nicht in Sachen Kino?

Yanar: Da bin ich voll der Klischee-Typ. Liebesfilme gehen gar nicht. Ich will, dass die zwei sich kriegen – und aus. Immer diese ganzen Umstände und Missstände, dafür habe ich nicht die Nerven. Ich bin ein Popcorn-Kinoheld.

Bekommen Ihre alten Helden Hakan und Ranjid in der neuen Show auch Rollen?

Yanar:Ja! Ranjid versteht den Hype um „Fifty Shades Of Grey“ nicht und geht das erste Mal in seinem Leben in ein Sadomaso-Studio. Hakan verdingt sich als Mitarbeiter im Kino. Er lässt keinen rein und verprügelt Leute. Ich glaube, ich bin der einzige Comedian, der so lange seine Figuren pflegt. Meine Fans wollen nach 18 Jahren noch Ranjid sehen.

Gibt es auch neue Rollen zu entdecken?

Yanar: Wir sind noch in der Produktion, aber es gibt die Idee, eine Gandalf-Figur zu entwickeln. Wie würde die mystische Figur aus „Herr der Ringe“ in unserer Welt zurechtkommen? Also: Gandalf versucht ein Taxi zu kriegen oder bestellt in der Bäckerei Brötchen.

Sie standen zuletzt mehr auf Bühnen als vor Fernsehkameras. Hatten Sie die Nase voll von TV-Comedy-Formaten?

Yanar:Da ging es mir wie einem Schauspieler, der keine guten Drehbücher erhält. Man bekommt TV-Konzepte vorgeschlagen oder schlägt welche vor – und dann findet sich das oft nicht. Bei RTL war ich nicht glücklich, weil die auf die Investigativ-Comedy-Sparte kamen. So wie „Mario deckt auf“, sollte es „Kaya deckt auf“ geben, das hat mich nicht interessiert. Kino-Comedy wollte ich machen: Ich liebe Kino, meine Fans auch. Das ist wie Steven Gätjen in lustig.

Im Kino gibt es eine neue Unsitte: Leute lesen im dunklen Kinosaal Handy-Nachrichten.

Yanar: Da wende ich einen Trick an: Wenn mich was nervt, kommentiere ich es laut, ohne die Menschen anzugucken. Etwa so: „Kann doch nicht wahr sein, der sieht ja aus wie ein Zombie mit seinem blauen Gesicht vom blöden Handy.“ Dann drehen sie sich um, fühlen sich ertappt. Ich spreche die Leute nicht direkt an, weil sie sich dann angegriffen fühlen. Es geht darum, ihnen einen Spiegel vorzuhalten.

Sie kommen nach Kassel mit Ihrem Programm „Ausrasten für Anfänger“. Was bringt Sie auf die Palme?

Yanar: Mein Alter. Ich bin 44 Jahre und gehe auf die 60 zu. Ich merke, meine Toleranz für Idioten nimmt ab. Ich sollte altersmilde werden, werde aber alterswild.

In welchen Situationen merken Sie das besonders?

Yanar: Am Flughafen: Mich nerven die Gepäckbandsteher. Ich komme einfach nicht an meinen Koffer ran, weil manche Leute das Gepäckband abriegeln wie die Balkanroute. Es fehlt nur noch, dass sie ihr Handtuch drauf legen und sagen: „Das ist mein Platz“. Ich drücke dann einfach den Notknopf – ist mir wurscht. Oder: Leute, die auf ihr Smartphone schauen, während sie die Straße überqueren. Ich muss dann eine Vollbremsung machen, um deren Leben zu retten.

Woher stammt Ihr Ausrast-Potenzial?

Yanar:Aus meiner Kindheit, von meinem Vater. Er ist wahnsinnig gut ausgerastet. Er kam mit der Situation nicht so klar: andere Sprache, andere Kultur, andere Temperatur. Er hat uns kein Türkisch beigebracht, damit wir perfekt Deutsch lernen. Das Problem war: sein Deutsch war nicht besonders gut. Darunter hat die Kommunikation gelitten und er hat sich über uns aufgeregt: „Was jetzt, kapier ich euch nix.“ (lacht) Das Programm ist auch eine Therapie für mich.

Kann Multikulti-Comedy gegen Vorurteile ankämpfen?

Yanar: Multikulti-Comedy kann ein gewisses Klima schaffen. Humor ist ein wundervolles Instrument, um sich mit Problemen auseinanderzusetzen und Haltung zu zeigen. Das finde ich wichtig. Letztlich sind persönliche Erfahrungen mit Kulturen am Prägendsten.

Wie sieht eine gelungene Integration aus?

Yanar: Die Sprache ist das A und O. Das Problem ist, dass man Menschen darauf reduziert, wie sie kommunizieren. Wenn sich jemand nicht gut ausdrücken kann, geht man davon aus, dass er so denkt und fühlt, wie er gerade spricht. Das stimmt natürlich nicht. Er kann halt nur die deutsche Sprache nicht gut, ist aber ein vollständiger Mensch mit allen Gefühlen. Man neigt dazu, Menschen zu vereinfachen, wenn sie eine vereinfachte Sprache sprechen.

Bringt Sie die Politik manchmal zum Ausrasten?

Yanar: Es nervt, wenn Politiker Versprechen nicht halten. Mich regen auch AfD-Protestwähler auf, die den großen Parteien einen Denkzettel verpassen wollen. Blödsinn! Aus Protest könnte man die Tierschutzpartei wählen. Das ist eine blöde Ausrede. Noch schwieriger als offener Rassismus ist versteckter Rassismus.

Zur Person Kaya Yanar (44) ist in Frankfurt am Main geboren. Dort studierte er Amerikanistik und Philosophie, entdeckte im Studium seine Leidenschaft für Komik und entschied sich, sie zu seinem Beruf zu machen. Für seine EthnoComedy erschuf er Figuren wie den türkischstämmigen Türsteher Hakan und den Inder Ranjid. Zur Zeit lebt Yanar mit seiner Freundin in der Schweiz. Seit einigen Jahren lebt Kaya Yanar vegan.

Termin „Ausrasten mit Kaya“ Mit seinem Programm „Ausrasten! Für Anfänger“, kommt Comedian Kaya Yanar am Sonntag, 4. März, 19 Uhr, in die Kasseler Stadthalle. HNA-Kartentelefon: 0561/203204.

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