Comedian Marek Fis in Vellmar: Es gibt immer einen größeren Assi

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Nennt sich Ostblock-Latino: Marek Fis.

Vellmar. Irgendwann fragte Marek Fis Freitagabend, ob er im Irrenhaus statt im Bürgerhaus Vellmar-West gelandet sei, ob es Bedingung fürs Publikum seines Programms „Baustelle Europa - ein Pole packt aus/ein“ sei, volltrunken zu erscheinen.

Es herrschte von der ersten Minute an Grölstimmung wie in der Fankurve. In der Pause war das Bier alle.

Der 29-Jährige reagierte geistesgegenwärtig: „Wir sind hier nicht in der Waldorfschule, wo man mitmacht.“ Er war auch gefasst, als sich Besucher zwischendurch mit Handschlag zum Bierholen verabschiedeten. Und bezog selbst das vor Begeisterung johlende Publikum ein, etwa Beate aus Körle im Schwalm-Eder-Kreis: „Wie viele Körle haben Sie denn gehabt?“ Fis hatte die Gäste in den ersten Reihen gewarnt: „Ihr seid so die Christen im Irak. Ihr werdet ein bisschen in die Luft gejagt.“

Im Grunde hatte der Auftritt des in Slupsk an der Ostseeküste (das pommersche Stolp) geborenen, als Fünfjähriger nach Deutschland übergesiedelten Comedians weder durchgängiges Konzept noch Handlung - außer dem, einen Hammer nach dem anderen rauszuhauen, vieles politisch absolut inkorrekt. Drei Comedians hätten es geschafft, sagt Fis, das Berliner Olympiastadion zu füllen: der Papst, Mario Barth und „Onkel Addie - der hat in Polen viele Hits“. Er bringt gekonnte Parodien.

Zwei rote Fäden sind auszumachen: Fis putzt sich konsequent selbst runter, indem er mit polnischem Akzent mit Klischees seines Heimatlandes spielt („Ich bin der König der Stecher – auf dem Spargelfeld“) und sich ins schlechteste Licht stellt: „Ich weiß, was Frauen wollen - und das bin nicht ich.“ „Ich bin wie Franck Ribéry. Ich hab Glück im Spiel und Pech im Gesicht.“ Zweiter roter Faden: „Es gibt immer noch einen größeren Assi als mich.“ Fis drischt auf alle ein, die es ohnehin schon schwer haben: Lothar Matthäus und Boris Becker, „Hilfsalbaner“, „Ronny aus Sachsen“, Alice Schwarzer, RTL-Dokusoap- und Casting-Kandidaten („Bauer sucht Frau, die Sendung, wo die blonde Transe Behinderte verarscht“), Anna Maria Lagerblom, „Frau Bushido, die Ex von Werder Bremen, der Wanderpokal“, „Pinscher“ Oliver Pocher und Cindy, die „Wurst aus Marzipan“. Auch Baunatal bekommt sein Fett weg.

Wirklich fein ist das nicht. Aber die Schlagzahl der bösen guten Gags ist enorm, die Besucher rasen vor Vergnügen.

Von Mark-Christian von Busse

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