Concerto Köln eröffnen die Musiktage

Eröffnungskonzert der Kasseler Musiktage: Das Barock-Ensemble „Concerto Köln“ spielt Bach – hier das fünfte Brandenburgische Konzert mit den Solisten Mayumi Hirasaki (Violine, Dritte von links), Gerald Hambitzer (Cembalo) und Cordula Breuer (Traversflöte, rechts). Foto: Hedler

Kassel. Diese Musik muss man lieben: Das Kölner Ensemble spielte zum Auftakt des Festivals in der Kasseler Stadthalle sämtliche Brandenburgische Konzerte. Das Publikum applaudierte enthusiastisch.

Kassel. Das Motto der Kasseler Musiktage in diesem Jahr – „Musik, die wir lieben, Freiheit, die wir suchen“ – hat sich im Eröffnungskonzert im ausverkauften Blauen Saal der Kasseler Stadthalle bereits aufs Schönste erfüllt. Auch wenn sie oft gespielt werden, verblüffen Johann Sebastian Bachs Brandenburgische Konzerte immer wieder neu. Ihre staunenmachende kompositorische Qualität, ihre Originalität und Vielfalt wie auch ihre emotionale Dichte heben sie in die Gipfelregion der europäischen Musikgeschichte.

Vielleicht hat sich der künstlerische Leiter der Kasseler Musiktage, Dieter Rexroth, beim zehnten und letzten Festival unter seiner Verantwortung nebenbei auch einen persönlichen Wunsch erfüllt, als er das Spitzenensemble Concerto Köln einlud, sämtliche sechs „Brandenburgischen“ in Kassel zu spielen – es wäre ihm zu gönnen. Das Publikum klatschte nach zweieinhalb Stunden jedenfalls enthusiastisch.

DAS ENSEMBLE

Das Ensemble Concerto Köln, ein Markenzeichen in der internationalen Barockmusikszene, beeindruckt zu allererst durch sein unglaublich engagiertes Spiel. Egal, ob in den Streichern solistisch besetzt wie etwa im sechsten Konzert oder in Orchesterformation: Stets macht das Ensemble den Eindruck einer erweiterten Kammermusikgruppe, bei der die Individualität jedes einzelnen Musikers spürbar ist, ohne dass damit Einbußen bei der Homogenität des Spiels verbunden sind. Dazu kommt die herausragende Qualität dieser Musiker, allen voran der Geigerin Mayumi Hirasaki, die bei vier der sechs Konzerte einen führenden Part übernahm.

HÖHEPUNKTE

Sechs Konzerte, 19 einzelne Sätze, fast zwei Stunden Musik – da fällt es nicht leicht, alle Höhepunkte aufzuzählen. Wunderbar waren die Kontraste in den Klangfarben zwischen Streichern, Holzbläsern und den beiden Naturhörnern im ersten Konzert – mit einem tollen Extra von Oboen und Fagott im Schluss-Menuett.

Eindrucksvoll war der Klangreichtum der Doppelflöten (zwei parallele Flöten in einem Stück Holz) im vierten Konzert mit der Echowirkung des leiseren Instrumententeils. Sensationell federnd und rhythmisch fein akzentuiert erklang das Finale des dritten Konzerts im filigranen Streichersound. Dann das faszinierende solistische Spiel des Cembalisten Gerald Hambitzer im fünften Konzert, belebt mit leichtem „jeu inégal“ (gewollter Ungleichmäßigkeit) – das waren Momente der Extraklasse.

DURCHWACHSENES

Auch in einem hochklassigen Konzert können ein paar Wünsche offenbleiben. So hatte die Trompeterin im abschließend gespielten zweiten Konzert nicht ihren besten Tag, und im sechsten Konzert mit seinen tollen tiefen Streicherklängen litt vor allem im zweiten Satz die Intonation merklich. Sei’s drum.

Von Werner Fritsch

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