Cool und entspannt

Hat seine Fans wieder einmal begeistert: Hellmut Hattler beim Auftritt im Schlachthof. Foto: Zgoll

Kassel. Unscharf gezeichnete Bilder – Schneegestöber, Stummfilmakteure, Videospielsequenzen – verschmelzen auf der großen Videoleinwand. Die vier Musiker davor werden von den abstrahlenden Lichtern eingefärbt. In der Bühnenmitte: Sängerin Fola Dada. Ihre dunkelschöne Soulstimme passt gut in dieses fantasievolle Bühnenpanorama aus Licht und Schatten. Neben ihr: Gitarrist Torsten de Winkel, fast nur als Kontur wahrnehmbar, dahinter, für Schlagzeug und Electronics zuständig Oli Rubow.

Den Chef der Formation hört und erkennt man gleichermaßen mühelos: Hellmut Hattler. Sein E-Bass ist so was wie der Herzschlag der Musik, seine dunkle, coole Sonnenbrille passt bestens zum Sound: Psychodelic-Pop, Jazz, Dancefloor lassen grüßen, treffen den Nagel aber nicht ganz auf den Kopf. Hattler mixt aus diesen Zutaten einen eigenen Sound.

In Kassel ist der mittlerweile 61-Jährige, der immer noch in einem Atemzug mit seiner legendären Formation „Kraan“ genannt wird, eine große Nummer. Ausverkauft hieß es am Donnerstag am Eingang und etwa 20 Hattler-Fans warteten da noch im Hof. Im proppenvollen Saal gab’s dann Körperkontakt wie in der Heringsdose. Das neue Album „The Kite“ hatte das Quartett dabei.

Die Stücke sind filigran ausgearbeitet, differenziert arrangiert. Zumeist etwas sphärisch kommt der Gesang von Fola Dada rüber - bei den Stücken „C64“ und „Sliding in Slomo“ richtig schmusig. Rhythmus haben die Schmeichler dennoch. Dafür sorgt Hattler schon mit knackigem E-Bass.

Das neue Album ist erstaunlich entspannend temperiert. Dennoch sind einige Trüffel-Nummern drauf, die typisch Hattler sind. So zum Beispiel „Nirvana Club“, bei dem die programmierten Beats und die Wiederholung von Melodiekürzeln die Spannung beständig ansteigen lassen – so sehr, dass Hattler zu hüpfen begann, Oder „The Kite“ mit dominierendem, aber dezent antreibendem Bass und melodischen Gesangslinien.

„Wir sind nicht auf Tour gegangen, um die CD vorzustellen“, sagt er, „sondern umgekehrt: Wir haben für die Tour Musik gebraucht.“ Dem Publikum war die Reihenfolge egal. Hattler hat eswieder mal begeistert.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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