Beeindruckendes Konzert

Coole Grooves: Nicholas Payton im Theaterstübchen

Ließ lieber seine Musik sprechen, als selbst zu reden: Nicholas Payton im Theaterstübchen. Foto: Fischer

Kassel. Nicholas Payton steht im krassen Gegensatz zu manch anderen Jazzern, die den Horizont ihres Publikums zwischen den Stücken mit Erläuterungen und amüsanten Anekdoten erweitern.

Beim umjubelten Konzert am Montag im Kasseler Theaterstübchen verwendete der US-Trompeter und Grammy-Gewinner nicht einen einzigen Atemzug für verbalen Output.

Zumindest die Titel der Kompositionen hätte man doch gern erfahren. In zwei Sets mit Zugaben beschränkten sich der 38-Jährige aus New Orleans und seine drei Begleiter auf das Wesentliche, nämlich die Musik. Und die ließ im gut besuchten Club nichts zu wünschen übrig.

Assoziationen an die frühen 70er-Jahre

Besonders das erste Set weckte starke Assoziationen an die stilbildende Miles-Davis-Phase der frühen 70er-Jahre mit Meilenstein-Werken wie „Bitches Brew“ - was nicht nur auf den Sound mit teilweise verzerrtem Rhodes-E-Piano und Drumming à la Jack DeJohnette zutraf, sondern vor allem auch auf die Länge der Stücke, die bis zu 20 Minuten pulsierten.

Dadurch entstand eine Jam-Atmosphäre mit sich eröffnenden Freiräumen, die die Musiker trotz aller Coolness höchst kreativ und spannungsreich mit Rhythmus- und Tempiwechseln gestalteten. So zeigte der äußerst versierte Schlagzeuger Corey Fonville schon im zweiten Stück seinen überraschenden Einfallsreichtum.

Rasend schnelle Läufe

Es war genial, wie er Rhythmen aufdröselte und daraus Neues schuf. Gitarrist Mike Moreno und Bassist Vicente Archer agierten eher zurückhaltend, aber jederzeit souverän.

Bandleader Payton bediente meist mit links das E-Piano, während die Rechte die Trompete hielt. In einigen rasend schnellen Läufen demonstrierte der ehemalige Mitspieler von Elvin Jones seine überragende Technik. Bei der letzten Zugabe bewies er auch seine Gesangsqualitäten.

Von Wolfgang Wollek

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