Coole Schlaumeier: Die britische Band Everything Everything

Wenn vier junge Männer in Manchester eine Band gründen, denkt man, ihre Musik sollte nach Oasis, den Smiths oder zumindest den Stone Roses klingen, den berühmtesten Bands aus der Stadt im Nordwesten Englands.

Doch Jonathan Higgs, Sänger des Quartetts Everything Everything, sagt: „Wir wollten alle Klischees vermeiden, die mit Gitarre spielenden weißen Knaben verknüpft sind. Wir sind von fast allem beeinflusst außer dem Zwölf-Takt-Blues.“ Higgs lässt sich nicht nur von Rockbands wie Nirvana und Radiohead inspirieren, sondern auch von R-’n’-B-Stars wie R. Kelly und Destiny’s Child. „Arc“, das zweite Album seiner Band, ist darum ein Rockalbum für fast alle Musikfans.

Die 13 verschachtelten Songs haben hymnische Melodien, aber Everything Everything lassen sie immer wieder geschickt in sich zusammenfallen. Dazu kommen komplizierte Rhythmen und Higgs toller Falsett-Gesang. Die Musik ist experimentell, kann aber auch im Radio laufen. In ihrer Heimat hat es die Band mit „Arc“ in die Top Ten geschafft, hierzulande läuft die Single „Kemosabe“ auf manchen Stationen hoch und runter. Weil Everything Everything wegen ihres Eklektizismus in kaum eine Schublade passen, haben sich britische Journalisten den Begriff „Boffin-Rock“ für sie und andere Indie-Bands ausgedacht: Schlaumeier-Rock. Auch die neuen Alben der Gruppen Alt-J und Foals klingen kunstvoll und klug. Dem neuen Stil könnte die Zukunft gehören. Dazu passt, dass sich Frontmann Higgs für „Arc“ von einem US-Futurologen beeinflussen ließ.

Everything Everything: Arc (Sony).

Wertung: 4 von 5 Sternen

Von Matthias Lohr

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