Fußballer, Model, Schauspieler -  dann HipHopper

Der coole Vater des HipHop: Marteria gab dem Genre seine Würde zurück

Bereist gern die Welt: Für jede Nation, in der Marteria übernachtet, gibt sich der Rapper einen Länderpunkt. Derzeit steht er bei 43 Zählern. Das Foto entstand in Rio de Janeiro. Foto: Ripke

Marten Laciny hätte schon viel früher glücklich sein können. Als Jugendlicher spielte der gebürtige Rostocker Fußball für den FC Hansa, war Kapitän der Nachwuchself und wurde von Horst Hrubesch sogar für die U-17-Nationalelf nominiert. Dann arbeitete er als Model in New York.

Und schließlich absolvierte er in Berlin eine Schauspielausbildung. Drei Berufe, von denen Millionen junger Menschen träumen.

Laciny hat alle drei Karrieren für die Musik aufgegeben. Und nun ist der 31-Jährige einer der erfolgreichsten deutschen HipHopper. „Zum Glück in die Zukunft II“ heißt sein heute erscheinendes Album, mit dem er zum Superstar des heimischen Sprechgesangs aufsteigen könnte. Bereits für das 2010 erschienene „Zum Glück in die Zukunft“ bekam er Gold.

Damals war der deutsche HipHop noch ein anderer. Prollige Ego-Brutalos wie Bushido und Sido gaben den Ton an. Dann kam Marteria, dessen Texte in Uni-Seminaren von Germanistikprofessoren behandelt werden. Heute gibt es Dutzende smarte Typen wie Casper und Cro, denen Marteria den Weg geebnet hat.

Dabei ist der Vater des neuen deutschen HipHop nicht der beste Rapper. Sein Sprechstil ist eintönig und kommt ohne Tempowechsel aus. Dafür erweitert Marteria auch auf seinem neuen Album die musikalischen Grenzen des Genres. Vom Berliner Produzententeam The Krauts, das bereits für seinen Hit „Lila Wolken“ und Peter Fox’ Album „Stadtaffe“ verantwortlich war, hat er sich abwechslungsreiche Beats basteln lassen. Die elf Tracks klingen nach Electropop, britischem Dubstep, internationalen Stars wie M.I.A. und dem Funk von Oldschool-Helden wie A Tribe Called Quest.

Vor allem aber hat Marteria etwas zu sagen. Er verzichtet auf typische HipHop-Allüren wie: „Ich bin der Größte und hab den Längsten.“ In „Bengalische Tiger“ geht es um den Straßenkampf in den Krisenregionen der Welt, die er zuletzt mit 22 Flügen in 21 Tagen bereist hat. Den Song schrieb Marteria in Uganda, wo er an der Uni gerade eine Deutschstunde hielt, als die Polizei gegen Demonstranten vorging, die gegen Studiengebühren demonstrierte.

Die Single „Kids (2 Finger an den Kopf)“ behandelt das ambivalente Gefühl, dass man zu alt für Partys ist, aber zu jung fürs Altsein. Dort heißt es: „Jeder glücklich Zweiter, keiner mehr Verlierer. / Keiner geht mehr klauen, freundlich zum Kassierer. / Alle ziehen aufs Land, in die große Stadt nie wieder. / Silbernes Besteck - goldener Retriever.“

Marteria, der in Kreuzberg lebt, sieht sich selbst als „Erwachsener junior“. Den Tote-Hosen-Sänger Campino lässt er in „Die Nacht ist mit mir“ übers selbstzerstörerische Saufen singen. Im lässigen „Gleich kommt Louis“ rappt er über seinen sechsjährigen Sohn, der bei seiner Ex in Rostock lebt. Dort besucht er ihn oft, und manchmal angelt er an der Müritz, wo er ein Haus hat. Seine neue Freundin will er vielleicht bald heiraten. Marteria hat sein Glück offensichtlich gefunden.

Marteria: Zum Glück in die Zukunft II (Four Music).

Wertung:  vier von fünf Sternen

Von Matthias Lohr

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