Die coolen Bläser aus Bayern: LaBrassBanda im Interview

LaBrassBanda gehen ihren eigenen Weg: Manuel Winbeck (von links, Posaune), Manuel da Coll (Schlagzeug), Stefan Dettl (Trompete, Gesang), Oliver Wrage (Bass) und Andreas Hofmeir (Tuba). Foto:  Gerald von Foris

Ihre Musik klingt nach Heimat und ist doch in der globalisierten Welt zu Hause: Mit Blasmusik und Club-Sounds sowie bayerischen Texten haben es LaBrassBanda in die Pop-Charts geschafft. Auch ihr neues Album „Europa“ ist eine fesselnde Mischung aus Tradition und Moderne. Wir sprachen vor dem Auftritt am Sonntag beim Kasseler Hessentag mit Band-Gründer Stefan Dettl (32).

Wir sind noch traurig, dass LaBrassBanda nicht beim Eurovision Song Contest für Deutschland gestartet sind. Sie hätten Malmö - anders als Natalie Horler alias Cascada, die sich beim Vorentscheid gegen Sie durchsetzte und in Schweden nur 21. wurden - doch gerockt.

Stefan Dettl: Wir hätten zumindest alles probiert. Der Presserummel war uns schon beim Vorentscheid zu viel, trotzdem war es total schön. Wir hätten niemals damit gerechnet, dass wir Zweiter würden. Wir waren ja schon überrascht, dass sie uns überhaupt zugelassen haben. Beim Song Contest muss man mit Halbplayback auftreten, lediglich der Gesang ist live. Wir können aber nur live spielen. Das haben wir zur Bedingung gemacht. Nach zwei Wochen Beratung hat die ARD zugesagt.

Und dann haben Sie die Regie zur Verzweiflung gebracht, als Sie einfach eine Minute länger spielten als geplant.

Dettl: Das haben wir nicht bewusst gemacht. Wir wollten niemanden ärgern. Es ist automatisch passiert. Es hat so Spaß gemacht, da haben wir 32 Takte länger gespielt. Überhaupt improvisieren wir viel. Es macht mehr Spaß, wenn man nicht alles nach Schema F macht. Das ist auch ein Unterschied zur Klassik, wo alles notiert ist. Wir spielen ohne Noten.

In der Band haben Sie lange diskutiert, ob LaBrassBanda überhaupt zum Song Contest passen. Nun will Sie die ARD in den „Musikantenstadl“ holen. Müssen Sie jetzt wieder debattieren?

Dettl: Nein. Schon seit vier oder fünf Jahren bekommen wir Anfragen vom „Musikantenstadl“. Aber das machen wir nicht, da passen wir nicht hin.

Stimmt. Auch auf Ihrem neuen Album mischen Sie furios bayerische Blasmusik mit Balkan-Riffs, anderen Weltmusikstilen sowie Club-Sounds wie House und Techno. Die Lieder heißen „Holland“, „Russland“ und „Griechenland“. Ist „Europa“ ein Konzeptalbum?

Dettl: Ein bisschen schon. Wir haben diesen Ländern viel zu verdanken. Die ersten Auftritte haben wir ja nicht in Bayern absolviert, sondern in England und Kroatien. Dafür wollten wir uns bedanken. Die bayerischen Clubbetreiber sagten, unsere Musik sei zu plakativ. Da würden ihnen die schicken Münchner Mädels abhauen. Sie mussten erst Videos von unseren Auftritten in London sehen, ehe sie uns buchten.

Wieso kommt Ihre Musik auch im Ausland so gut an, obwohl man kein Wort versteht?

Dettl: Weil es Musik ist. Wenn man die spürt und sich bewegt, braucht man keinen Text mehr. Auf die Idee zu LaBrassBanda bin ich gekommen, als ich in einem New Yorker Studentenclub die Youngblood Brass Band hörte. Die Bläser spielten zu HipHop-Beats. Ich war damals noch in einem Symphonieorchester und wusste sofort: Das ist das, was ich machen möchte.

Sie wohnen in dem Dorf Truchtlaching am Chiemsee. Vermissen Sie manchmal die Großstadt?

Dettl: Nein. Ich mag es eher ruhig. Ich bin eher ein Typ, der zum Urlaub in die Stadt fährt.

Wie schmeckt eigentlich das Stefan-Dettl-Bier, das eine Brauerei in Truchtlaching nach Ihnen benannt hat?

Dettl: Gut. Allerdings habe ich zehn Kilo zugenommen, weil ich bei unzähligen Presseterminen eine Flasche öffnen und trinken musste. Die Brauerei hat viele exotische Biersorten. Als wir dort einmal zu Besuch waren, habe ich eins probiert. Ich hab denen gesagt: „Es ist gut, aber noch besser würde es schmecken, wenn es ein Weißbier und kein normales Bier wäre.“ Und dann haben sie es ausprobiert und nach mir benannt.

LaBrassBanda: Europa (Sony). Wertung: vier von fünf Sternen

LaBrassBanda spielen am Sonntag, 23. April, 18 Uhr, als Vorband für Die Ärzte auf dem Hessentag im Kasseler Auestadion. Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

Von Matthias Lohr

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