HipHop-Duo Genetikk führt Charts an

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Lösten die Amigos an der Spitze der Charts ab: Rapper Karuzo (links) und Produzent Sikk sind Genetikk.

Eigentlich dürfte es so etwas wie das HipHop-Duo Genetikk nicht geben. Karuzo und Sikk kommen aus Saarbrücken, einem HipHop-Niemandsland. Angeblich haben sie gerade zum ersten Mal im Leben einen Plattenladen betreten.

Ihr Debüt verschenkten die Masken tragenden Musiker 2010 als kostenlosen Download. Nun schoss ihr drittes Album „D.N.A.“ auf Platz eins der Charts.

Damit lösten Genetikk das Schlagerduo Amigos ab, das manche für mindestens so furchterregend halten wie die Voodoo-Verkleidungen der Saarländer. Es ist nicht die erste HipHop-Erfolgsgeschichte des Jahres. Im Februar verdrängten Kollegah und Farid Bang den Pseudorocker Heino von Platz eins - wie Genetikk stehen sie beim Düsseldorfer Label Selfmade Records unter Vertrag. Zudem schafften es auch Prinz Pi, KC Rebell, Fard, Vega, Fler und Haftbefehl nach oben. Deutscher HipHop ist lebendiger denn je.

„D.N.A.“ halten manche Kritiker bereits jetzt für einen Klassiker. „Wir wollen die Leute wieder zum Kopfnicken bringen“, sagt Karuzo. Der 26-jährige Deutsch-Italiener rappt mit viel Gespür für den richtigen Flow und Ironie Zeilen wie: „Terence Hill und Bud Spencer / Deutscher Rap braucht eine Herztransplantation / Ich bin der Spender.“ Für die lässigen 80er-Jahre-Beats ohne viel Schnickschnack sorgt Produzent Sikk.

„D.N.A.“ steht für „Da Neckbreaker Aliens“. Mit Kopfnicken wollen die Voodoo-Außerirdischen den Rap erobern. Wer die Gesichter hinter den Masken sind, halten die Mittzwanziger geheim. Angeblich haben sie schon als 13-Jährige zusammen Musik gemacht. Bei den ersten Konzerten traten sie mit bemalten Clownsgesichtern auf - angelehnt an das Rap-Duo Insane Clown Posse aus Detroit. Weil die Schminke immer verlief, setzten sie sich später die Masken auf. „So können wir auf die Straße gehen, und keiner erkennt uns“, sagt Karuzo.

Unterstützung bekommt er auf „D.N.A“ von US-Star RZA (Wu-Tang Clan) und dem Berliner Sido, der im Ohrwurm „Liebs oder lass es“ zu hören ist. Das ist tatsächlich eine Revolution. Aggro-Rapper aus der Hauptstadt pflegten jahrelang eine Feindschaft zu den Künstlern von Selfmade Records.

Sogar in Frankreich haben Genetikk Fans. Ihre musikalischen Anfänge machten Karuzo und Sikk in Behren. Die lothringische Stadt unweit von Saarbrücken ist wegen riesiger Plattenbauten und der Perspektivlosigkeit der algerischen Einwanderer berüchtigt. „Diese Leute haben nichts“, sagt Karuzo. Genetikk haben vorerst alles, wobei ihnen die Hitparade eigentlich egal ist. „Das ist nur eine Zahl, also fick die Charts“, schreiben sie bei Facebook.

Genetikk: D.N.A. (Selfmade Records).

Wertung: vier von fünf Sternen

Von Matthias Lohr

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