Der ungewöhnliche Erfolg von Timo Israng als Dark Vatter

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Dark Vatter un sinne Combo auf großer Fahrt: Timo Israng (Zweiter von links) mit Julian Schambach (links), Oliver Schenk und Nina Israng vor dem Hessencourrier.

Kassel. Es gab eine Zeit, da schien die „Unnerbuchse“ in Nordhessen ausgestorben zu sein. Zum einen waren die Winter nicht mehr kalt genug, zum anderen sprach kaum einer mehr Platt. Nun ist es aber wieder Zeit für die lange Unterhose.

Passend dazu singt Timo Israng als Dark Vatter „De lange Unnerbuchsenzidd“.

Nicht nur die Zeit der langen Unterhose ist gekommen, sondern auch die des Kasseläner Dialekts. Vor fast zwei Jahren war es eher eine Schnapsidee, als Israng sein Alter Ego erfand und urkomische Rockabilly-Songs auf Kasselänerisch sang. Die CDs seines Debüts „Kasseläner Boogie“ aber waren rasch verkauft, und die Konzerte ein Renner. Deshalb hat der 37-Jährige, der eigentlich Schlagzeuger bei der Beat-Band Montesas ist und die Musikschule Klangwerk betreibt, nun nachgelegt.

Als Dark Vatter un sinne Combo hat er „Unnerwäjens“ aufgenommen. „Dark Vatter hat den Experimentalstatus hinter sich gelassen und ist quasi eine amtliche Einrichtung geworden“, sagt Israng. „Gaageschnuddenrockenroll“ nennt er seinen Stil, was so viel heißt wie Schreihals-Rock-’n’-Roll. Mit viel Humor spielt er mit den Klischees von Nordhessen und des Genres. Er besingt den „Hessencourrier“, aus Jimmy Rodgers’ „In The Jailhouse“ macht er „Nu ing Gnasd“ und jodelt dabei wie einst der Vater der Country-Musik. Auch Johnny Cash wird gecovert, und als der aus Wabern im Schwalm-Eder-Kreis stammende Israng „Der Berchmann“ schrieb, dachte er an den nahegelegenen Tiefbau bei Borken.

Damit können Alt und Jung etwas anfangen. Dark Vatter trat auch schon vor hippen Kunststudenten auf, denen Nordhessisch so fremd ist wie einem Vegetarier die „Ahle Worschd“. Der unerhoffte Erfolg ist für den Familienvater auch ein Zeichen für das gestiegene Selbstbewusstsein in der Region: „Man entschuldigt sich nicht mehr, weil man in Nordhessen lebt. Und man entdeckt auch die Sprache wieder.“

Kasselänerisch funktioniert sogar mit aktuellen Hits. Israngs Frau Nina singt auf dem Album eine charmante Version von „Oh Boy“ der Schwedin Miss Li. Darin reimt sich Kerle auf Perle. Auch Dark Vatter ist eine musikalische Perle.

Dark Vatter und sinne Combo: Unnerwäjens.

Release-Konzert: Samstag, 21 Uhr, Kulturzentrum Schlachthof. Die CD gibt es unter anderem bei Lost & Found sowie Scheibenbeißer.

Zur Person

Timo Israng

Alter: 37

Ausbildung: zum Koch im Kasseler Restaurant „Pfeffermühle“, Studium der E-Gitarre am Münchner Gitarreninstitut in der Kölner Außenstelle

Beruf: Musiklehrer im Klangwerk (0561/7399943), Schlagzeuger bei der Beat-Band Montesas

Privates: Lebt mit seiner Frau Nina und den beiden Töchtern in Süsterfeld.

Liedtext

De lange Unnerbuchsenzidd

Giggesde des Morjens us dinnem Fenschder russ

un de merggsd der Sommer äß verbie - s' siehd isekahle uss.

Fang bloß nidd an ze jammern. Nu ässes so widd:

Ing Kassel äß moh widder lange Unnerbuchsenzidd

Der Wind piffd um de Eggen un zerchd diß Laub vom Baum

dorr in dinner Unnerbuchse da merggesde das kaum.

Heer uff ze lammendiern, do hilfd kinn broddesdiern

un es äß um einijes bässer als am Arsche ze friern.

Nu gugg moh nach im Schrangge wo de se hingeschdobbed hosd

un lääch se dä biezieden russ, norr vor dem erschden Frosd.

Im Friehjohr lachsde drübber, im Sommer da glauwesdes nidd,

dorr jädes Johr kimmed gans gewäß de lange Unnerbuchsenzidd.

Von Matthias Lohr

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