Helge Schneider und die Drops blödelten in der Kasseler Stadthalle

Der Currywurst-Zorro

Der Meister und Mozart: Helge Schneider mit dem Komponisten-Imitat Bodo Oesterling. Foto: Fischer

Kassel. Bei der Beschreibung eines Auftritts von Helge Schneider fällt die Ausbeute an objektiv verwertbaren Informationen immer recht spärlich aus. Die Stadthalle war ausverkauft, die Band mit Pete York am Schlagzeug, Rudolf Olbrich am Kontrabass und dem Gitarristen Sandro Giampietro fast überqualifiziert gut besetzt, und es wurde ausgiebig gelacht.

Worüber? Bei der Frage fängt das Dilemma schon an. Dass ein Mann mit Glatze und Zottelbart (Sergej Gleithman) im hautengen Stretchanzug gymnastische Banalitäten zelebrierte? Ein Mozart-Imitat (Bodo Oesterling) mit masochistischer Lächerlichkeit dem Meister ständig japanischen Holztee servierte? Oder dass gelangweilt dreinschauende Hunde permanent über die Bühne schlurften? Ist das witzig?

Wenn so ein intellektuelles Schlitzohr wie Helge Schneider dabei Regie führt und die Hauptrolle spielt, dann ja. Wieder einmal schaffte er es mit seinem aktuellen Programm „Komm hier haste ne Mark“ völlig unterschiedliche Zielgruppen miteinander zu vereinen.

Da sind zum einen die Jazzliebhaber, die seine ausdrucksstarke Versiertheit am Flügel, Saxofon, Vibrafon und diversen Kleininstrumenten zu schätzen wissen. Wenn er auch das Gebaren eines seriösen Musikers mit dem Charme eines Currywurst-Verkäufers interpretiert, blitzen dennoch hochkreative Momente aus den Arrangements.

Die „Hey, was geht ab“-Generation liebt das spontane, frech-anarchistische Verbal-geplänkel, das er auf den Bühnen der normierten Bürgerlichkeit führt wie Zorro den Degen. Natürlich nicht so elegant, sondern bewusst unbeholfen und infantil. Er versteckt sein wahres Ich undurchschaubar hinter einer Bühnenfigur, die alles darf.

Es entsteht ein Theaterstück, bei dem er zufällig das Puzzle vom Tisch fegt und das Schachbrett zum Kippen bringt. „Fitze, Fitze, Fatze“, und schon wirkt alles im Leben nicht mehr so geregelt, geplant und fertig gedacht.

Dann gibt es noch die Comedy-Fans, die sich auch bei Michael Mittermeier und Mario Barth auf die Schenkel klopfen. Wenn die Hose rutscht, die Frisur nicht hält und der Tanz völlig daneben geht, dann ist Bauchhalten angesagt.

So formt sich Helge Schneider mit seiner Hommage an das Unberechenbare ein Publikum, das sich in Kassel am Schluss mit kräftigem Applaus für eine unverwechselbare Darbietung bedankte.

Von Andreas Köthe

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.