Daddeln im Museum: Haus zur Geschichte der Computerspiele

Hier ist alles etwas anders: Im Berliner Computerspielemuseum haben vor allem junge Besucher viel Spaß. Foto: Grune / nh

Berlin. Wenn Kinder wieder einmal von ihren Eltern verwarnt werden, weil sie zu viel am Computer spielen, sollten sie sich auf Ludwig Erhard berufen. Im Oktober 1951 saß der damalige Wirtschaftsminister in der Berliner Industrieausstellung und spielte mit dem Elektronenhirn Nimrod, bei dem man mithilfe eines Tastenfeldes Lämpchen im richtigen Moment ausschalten musste.

Info

Computerspielemuseum, Karl-Marx-Allee 93a, Berlin, www.computerspielemuseum.de

Im Hintergrund schaute Bundeskanzler Konrad Adenauer ziemlich skeptisch auf seinen Politiker-Kollegen - so wie Eltern heute ihre daddelnden Kinder mit kritischer Miene beobachten. Das historische Schwarz-Weiß-Foto mit den CDU-Politikern steht am Anfang der Dauerausstellung im gerade eröffneten Berliner Computerspielemuseum, das Kinder und Eltern gleichermaßen begeistern wird.

Es gibt nämlich nicht nur viel zu sehen, sondern auch viel zu spielen im ehemaligen Café Warschau im Stadtteil Friedrichshain. Mehr als 300 Exponate und 21 interaktive Stationen hat das Team um den Leiter Andreas Lange zusammengestellt für die angeblich „weltweit einzigartige Dauerausstellung zur Kulturgeschichte der Games“.

Schon die Wanderausstellung „pong.mythos“ war ein Erfolg. Nun zeichnen die Macher im neuen Zuhause noch systematischer den Weg des homo ludens nach, des spielenden Menschen - von Ludwig Erhard, Deutschlands erstem Computerspieler, über die erste Heimvideospiel-Konsole (1972), für die der aus Deutschland stammende Erfinder Ralph Baer verantwortlich war, über kleine Helden wie die Nintendo-Figur Super Mario bis zur immer wiederkehrenden Diskussion um brutale Egoshooter.

Vor allem jedoch macht das Museum mit Klassikern wie dem Ballerspiel „Space Invaders“ Spaß und zeichnet ein positives Bild eines Genres, das vor drei Jahren vom Deutschen Kulturrat als Kulturgut anerkannt wurde. Computerspiele sind längst nicht nur für Kinder. Erst sie ermöglichten es Nichtspezialisten, in virtuellen Realitäten zu interagieren. Komplexe Welten werden einfacher. Auch die Weiterentwicklung der Hardware ist ohne Spielmaschinen undenkbar. Die grafische Darstellung in Navigationsgeräten etwa basiert auf den Erfahrungen der Gamer.

Neben Schautafeln und Filmen wie einem Porträt des gebürtigen Kasselers Chris Hülsbeck, der als erfolgreicher Computersounddesigner in Kalifornien lebt, gibt es auch die faszinierende Kunstinstallation „Painstation“. Sie war bereits im New Yorker Museum of Modern Art zu sehen. Besucher können an ihr den Klassiker Pong spielen, und bei jedem Fehler gibt es einen kleinen Stromschlag. Gewonnen hat derjenige, der mehr Schmerzen ausgehalten hat.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.