Tina Dico brachte die Zuschauer im ausverkauften Kulturzelt zum Toben

Dänische Delikatessen

Sang mal rauchig und mal hauchdünn: Die dänische Musikerin Tina Dico. Foto: Malmus

Kassel. Auch diejenigen, die letztes Jahr nicht auf Tina Dicos Konzert im Kulturzelt waren, erfuhren am Donnerstagabend, dass der Regen damals romantisch auf das Dach des alten Zeltes prasselte. „Ein bisschen zu laut vielleicht, aber ein toller Spezialeffekt“, scherzte die dänische Schönheit, die als Sängerin und Songwriterin bereits die begehrtesten Trophäen ihrer Heimat abgestaubt hat.

Und dann legte sie los mit melancholischen Balladen voll silbenlastiger Sinnsuche. Momente der Einsamkeit und Stille aus ihrem rastlosen Leben: Allein auf der Rückbank eines Taxis, verloren im Lichtermeer einer Großstadt, Blicke über die Dächer, während man auf eine Liebe wartet, die nicht mehr zurückkommt.

Von tiefen, rauchigen Partien bis zu hauchdünnen Vokalisen reichte der Gesang, den Bässe, Schlagzeug und Klavier mit beeindruckender Dynamik begleiteten. Pianist Helgi Jonsson glänzte dabei als lyrischer Begleitsänger und uriger Posaunist.

Bei „Nobody’s Man“ unterbrach Dico lächelnd mit der Erklärung: „Das war mein erster großer Hit in Dänemark. Schon die ersten Takte bringen die Menge zum Toben.“ Augenblicklich stellte sich das Publikum der imaginären Konkurrenz. Aber auch ohne diesen Ansporn hatte die Band, die vor ausverkauftem Haus spielte, die Zuschauer längst erobert.

Das lag vor allem an Dicos offenherzigen englischen Moderationen. Schade nur, dass auch alle Lieder auf Englisch gesungen wurden. Besonderen Charme hatten nämlich ihre Anweisungen an Technik und Musiker, die sie spontan in ihrer skandinavischen Muttersprache gab.

Noch ganz in den philosophischen Miniaturwelten ihrer Geschichten gefangen, fand sich das Publikum unvermittelt selbst in der Hauptrolle, als die Sängerin das Saallicht aufdrehen ließ und mit einem kleinen Camcorder ihre Erinnerungen an Kassel verewigte: „Oh, ihr seht auch bei Licht gut aus!“, feixte sie. Dafür gab’s am Ende langen Applaus im Stehen.

Kulturzelt, heute: Sierra Maestra. Sonntag: Gil Scott-Heron. Beginn jeweils 19.30 Uhr. Karten unter 0561/203-204.

Von Carolina Rehrmann

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