Daft Punk melden sich mit einem der wichtigsten Alben des Jahres zurück

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Guy-Manuel de Homem-Christo (39) und Thomas Bangalter (38) verstecken sich hinter Masken, haben ihr neues Album jedoch mit echten Musikern aufgenommen – darunter Stars wie Nile Rodgers.

Mitte April hätte man Facebook am liebsten abgeschaltet. Sämtliche Freunde, Magazine und Blogs teilten den Link zur neuen Single von Daft Punk. Man kann nicht anders, als dieses Lied gut zu finden.

So funktioniert Pop heute: Irgendjemand stellt etwas ins Netz, und dann ist es vergessen oder aber es verändert die Welt. Daft Punk aus Paris sind Meister darin. Schon Anfang März ließen Guy-Manuel de Homem-Christo (39) und Thomas Bangalter (38) in einer Werbepause der US-Show „Saturday Night Live“ ihr Logo erscheinen. Seitdem sind alle heiß auf das erste Studioalbum der Franzosen seit 2005. Heute erscheint „Random Access Memories“ – und es ist genauso atemberaubend wie die Single.

So funktioniert Pop

Von den „klügsten Popmusikern ihrer Generation“, wie ein Kritiker die beiden nannte, war auch nichts anderes zu erwarten. Anfang der 90er machten sie unter dem Namen Darlin Gitarrenpop, den englische Journalisten als „daft punk“, als doofen Punk, verhöhnten. Bangalter und de Homem-Christo nannten sich fortan so, nahmen 1997 das House-Album „Homework“ auf, zu dem Techno-Fans in Clubs wie dem legendären Kasseler Aufschwung Ost auf den Tischen tanzten. Seit der Jahrtausendwende treten die Musiker nur noch als Robotor auf. Sie erzählten die hübsche Geschichte, dass ein Virus ihre Software am 9. 9. 99 zum Absturz gebracht hätte.

Echte Musiker, prominente Gäste

Mit „Random Access Memories“, das den Arbeitsspeicher eines Computers bezeichnet, werden aus den Maschinen wieder Menschen. Bis auf das digitale „Doin’ It Right“ wurden alle Lieder mit echten Musikern und prominenten Gästen sowie ohne Samples eingespielt. Herausgekommen ist ein 73 Minuten langes Konzeptalbum, das sich vor der Disco-Ära verneigt.

Im Eröffnungsstück „Give Life Back To Music“ hört man die Gitarre von Nile Rodgers, der mit Chic Hits wie „Le Freak“ lieferte. In einem neunminütigen Stück darf Giorgio Moroder (73) erzählen, wie er in den 70ern in München die Disco-Ära miterfand. Chilly Gonzales, im Juli einer der Stars im Kasseler Kulturzelt, setzten Daft Punk für ein wehmütiges Electro-Soul-Stück ans Klavier, die Stimme von Julian Casablancas von den Strokes jagten sie durch den Verzerrer.

Klassiker

Und im Schlussstück „Contact“ ist eine 41 Jahre alte Botschaft der Apollo-17-Astronauten an die Erde zu hören. Aus dem Startgeräusch einer Rakete machen Daft Punk unfassbar coolen Krach. „We leave as we came“, heißt es. Diese Musik wird uns nie verlassen.

Auf Facebook posten Freunde mittlerweile übrigens schon Cover-Stücke von „Get Lucky“ – etwa als Indie-Folk- und Reggae-Version. Daft Punk sind nun selbst Klassiker.
(von Matthias Lohr/Kulturredaktion)

Daft Punk: Random Access Memories (Sony).

Wertung: Fünf Sterne von fünf Sternen

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