„Agrippina“: Ann Hallenberg und Donna Leon bei den Göttinger Händel-Festspielen

Dallas liegt im römischen Reich

Barock-Fan: Die Schriftstellerin Donna Leon.

GÖTTINGEN. Die Koloraturen zündeten, und nebenbei bekam man eine Nachhilfestunde in römischer Geschichte. Um die Figur der Agrippina kreiste am Pfingstsonntag ein Abend der Göttinger Händel-Festspiele mit der Mezzosopranistin Ann Hallenberg, dem Ensemble Il pomo d’oro und der Bestseller-Autorin Donna Leon.

In ihrer launigen Einführung erklärte die Barockopern-Enthusiastin Donna Leon die verwickelten Familienverhältnisse, die sie als „Dallas on Tiber“ bezeichnete. Genau genommen hatte es nämlich drei Agrippinas gegeben, zwei Schwestern und eine Tochter. Letztere ist als intrigante Mutter des Kaisers Nero und durch Händels Oper bekannt, aber auch die beiden anderen sind in die Geschichte der Barockoper eingegangen.

Diesen alten Römerinnen haben Ann Hallenberg und das Ensemble Il pomo d’oro das gerade erschienene Album „Agrippina“ (Deutsche Harmonia Mundi) gewidmet. 16 Arien von bekannten und weniger bekannten Barockkomponisten sind darauf zu hören, zwölf davon sind Welt- Ersteinspielungen.

Auch im Konzert in der leider nicht vollen Göttinger Stadthalle machten die antiken Damen viel Spaß - zumal Ann Hallenberg mit ihrer großen, sinnlichen Stimme furiose Koloraturen abfeuerte. Ein Knaller: „Mi paventi il figlio indegno“ von Carl Heinrich Graun. Sie würde ihre Seele geben, um dies zu können, meinte Donna Leon, und das Publikum bejubelte den schwedischen Power-Mezzo.

Nicht weniger zum Genuss trugen die Musiker von Il pomo d’oro bei. Zwischendurch spielten sie Vivaldi. Konzertmeister Riccardo Minasi brillierte mit schwebenden Tongirlanden, toll auch der Hörner-Schall und das berückende Cellosolo. Mit drei Zugaben verabschiedete sich Hallenberg von dem heftig applaudierenden Publikum.

Von Georg Pepl

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