„Dallas“ an der Nordsee: Der "Tatort" aus Bremen

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Seit 2001 gemeinsam im Einsatz: Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen).

Wie grün ist grüner Strom eigentlich? Darum geht es im Bremer "Tatort" mit dem schönen Titel "Wer Wind erntet, sät Sturm". Unser Check.

Dieser Bremer „Tatort“ könnte noch für einige Debatten sorgen. In „Wer Wind erntet, sät Sturm“ (Sonntag, 20.15 Uhr, ARD) müssen die Bremer Kommissare Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) den Mord an einem Umweltschützer aufklären, der den Bau von Windkraftanlagen verhindern wollte. Der „Tatort“ im Check.

Um was geht es im Bremer „Tatort“? 

Um „den Krieg zwischen drei Parteien“, wie Regisseur Florian Baxmeyer sagt. Da gibt es den Windparkpionier Lars Overbeck (Thomas Heinze), der „nur eins will: die Welt ein bisschen besser machen“. Ein Hedgefonds-Manager (Rafael Stachowiak) sieht dagegen nur den Profit. Und Umweltschützer wollen die Offshore-Anlagen vor der Küste verhindern, weil die riesigen Windmühlen Tausende Vögel zerschreddern. „Hier gibt es keinen grünen Strom, hier ist der Strom blutrot“, sagt der Umweltaktivist Henrik Paulsen (Helmut Zierl).

Umweltschützer, die gegen Windräder kämpfen. Ist das denn realistisch? 

Ja, sagt Drehbuchautor Wilfried Huismann. Auf das Thema stieß der Grimme-Preisträger, als Enoch zu Guttenberg, Vater des Ex-Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg, 2012 aus dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) austrat, den er mitgegründet hatte. Der Dirigent warf dem Verband Verrat vor, weil der seine Klage gegen den Bau eines Windparks gegen die Zahlung von 800.000 Euro zurückgezogen hatte.

Autor Huismann, der 2012 mit seinem Buch „Schwarzbuch WWF“ über „dunkle Geschäfte“ der Umweltschutzorganisation für Aufsehen gesorgt hatte, stellte bei seinen Recherchen fest, dass solche Zahlungen gang und gäbe sind. Ornithologen berichteten ihm von der Gefahr für Zugvögel, wollten sich aber nicht öffentlich äußern, weil sie für Windparkbetreiber Gutachten schreiben. Den Konflikt um den „wahren grünen Glauben“ erzählt Huismann als „Dallas“ an der Nordseeküste.

Was lernen wir im Bremer „Tatort“ fürs Leben? 

Dass man manchmal umkehren muss. „Nur wer gegen den Strom schwimmt, gelangt zur Quelle“, sagt ein Umweltschützer ständig.

Lohnt es sich denn, einzuschalten? 

Ja. Manchmal nerven zwar das Pathos der Umweltschützer und die klischeehafte Überzeichnung des Hedgefonds-Managers, aber der spannende Krimi vermittelt den unbekannten Konflikt anschaulicher als eine dröge Doku.

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