Dem Impressionisten Max Slevogt ist in Chemnitz eine sehenswerte Schau gewidmet

Dame mit kritischem Blick

Eindrucksvolles Porträt: Max Slevogts „Dame in Braun“ zeigt die Sängerin Else Berna (1908), Kunstsammlungen Chemnitz. Foto: May Voigt/ nh

Chemnitz. Mit Max Liebermann und Lovis Corinth bildet Max Slevogt das Dreigestirn des deutschen Impressionismus. Dem 1868 in Landshut geborenen, 1932 in Neukastel bei Leinsweiler in der Pfalz gestorbenen Maler und Grafiker ist in den Kunstsammlungen Chemnitz eine sehenswerte Ausstellung gewidmet. Sie umfasst 30 Gemälde, darunter 28 Leihgaben der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz, sowie 100 Druckgrafiken aus eigenem Bestand.

Die Radierung „Hexentanz“ (1903) ist das früheste Chemnitzer Blatt. Kerstin Drechsel bezeichnet es in ihrem Katalogaufsatz als „Gleichnis für das unbenennbar Gefahrvolle, das Bedrohliche, das nicht Deutbare im menschlichen Dasein.“ In seinen reich vertretenen Literaturillustrationen bevorzugte Slevogt dramatische Stoffe wie Raub, Mord und Krieg, Aufruhr und Tumult. Er schuf etwa wuchtige Holzschnitte zum „Nibelungenlied“ (1925) und packende Lithografien zu James Fenimore Coopers „Lederstrumpf“ (1908-1910).

Wie idyllisch nimmt sich dagegen Slevogts Landschaftsmalerei aus. Die Mehrzahl der Motive fand er in der Umgebung des schwiegerelterlichen Landguts Neukastel, das er 1914 erwarb. Ausgestellt ist sein erstes impressionistisches Gemälde: „Blühende Bäume in Neukastel“ (1898). Es ist offenbar noch etwas kalt unterm gelbgrauen Himmel. Die schwungvolle Pinselführung unter Verzicht auf alle Details wird zum Markenzeichen seiner Malerei. Zu allergrößter Virtuosität ist sie im Gemälde „Gartentreppe in Neukastel“ (1916) gebracht. Es vermittelt eine lauschige Atmosphäre in Rosa und Grün.

Während seiner Jahre als freier Maler in München musste sich Slevogt wegen seiner ungeschönt realistischen Malweise mit dem Spottnamen „Der Schreckliche“ abfinden. Nachdem er sich 1901 in Berlin niedergelassen hatte, stellte sich bald der künstlerische Durchbruch ein. Auf der Höhe seines Erfolgs malte er 1912 das „Selbstbildnis mit steifem Hut“. Inmitten des Großstadtlebens präsentiert sich Slevogt in Halbfigur als Repräsentant des wohlhabenden Bürgertums. Eine dicke Zigarre im Mund, schaut er uns über die linke Schulter an.

Etwas abschätzig hingegen blickt uns von oben herab die füllige „Dame in Braun“ (1908) an. Bei dieser mondänen Erscheinung handelt es sich um die Sängerin Else Berna. Ihr Porträt gehört zu den Spitzenstücken der Kunstsammlungen Chemnitz. Die Dame des Hauses hat anlässlich der Sonderschau Besuch von einer Argentinierin und einer Japanerin bekommen.

Slevogts Porträt von 1901 zeigt die japanische Tänzerin Sada Yakko in einem farbenprächtigen Kimono. Den Kopf leicht schief gelegt, das Gesicht hell geschminkt, steht sie uns still gegenüber. Weit mehr Temperament offenbart ihre Nachbarin: „La Argentina“ (1926) genannt. Die im Moulin Rouge gefeierte Flamencotänzerin blickt lachend über die rechte Schulter, während sie sich vor uns in die Höhe schraubt. Diese drei Bühnenstars sind die größte Attraktion der Schau.

Bis 4. September, Kunstsammlungen Chemnitz, Theaterplatz. Tel.: 0371-4884424, www.kunstsammlungen-chemnitz.de. Der Katalog (E. A. Seemann Verlag) kostet im Museum 22 Euro.

Von Veit-Mario Thiede

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