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Kasseler Jazzfest endet mit sensationellem Konzert im Schauspielhaus

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Daniel García (Klavier), Reinier Elizarde (Kontrabass) und Michael Olivera (Schlagzeug) im Schauspielhaus.
Konzentration: Daniel García (Klavier), Reinier Elizarde (Kontrabass) und Michael Olivera (Schlagzeug) im Schauspielhaus. © Pia Malmus

Das Daniel García Trio ist zum Abschluss des Kasseler Jazzfests im Schauspielhaus aufgetreten.

Kassel – Fingerfertigkeit ist keine Hexerei? Nach dem Abschlusskonzert des Jazzfests Kassel kamen diesbezüglich nun einige Zweifel auf. Denn was das Daniel García Trio an fulminanter Spieltechnik sowie an beseeltem Spielwitz im Schauspielhaus ablieferte, hat das Publikum zumindest verzaubert.

Der klassisch ausgebildete Pianist García kann in energischen Passagen mit brillanter Virtuosität begeistern und an anderer Stelle mit verträumtem, innigem Spiel zutiefst berühren. In Salamanca geboren, treibt ihn die musikalische Geschichte seiner Heimat um: Flamenco und mehr. García dringt tief ins Wurzelwerk spanischer Traditionen ein und verbindet, was er dort findet, mit zeitgenössischem Jazz. Er zeigt Verbindungslinien zu Paco de Lucía, sogar zu Miles Davis, auf und exerziert dann mit seinen „hermanos“ Flamenco Jazz, Flamenco Tango und vieles andere mehr.

Seine musikalischen Brüder: Reinier Elizarde und Michael Olivera, zwei kubanische Musiker, mit denen García seit 2015 zusammenarbeitet. Und das macht sich mit Blick auf den Konzertgenuss bezahlt. Denn hier präsentiert sich eine absolut eingespielte Combo mit ungeheurer Spielfreude und schier blindem Spielverständnis wie Barça in seiner fußballerischen Hochphase.

Olivera glänzt mit feinem perkussiven Spiel, bei dem er sein Schlagzeug fast liebevoll traktiert: eher ein Mann der leisen Töne. Technisch kommt er indes nicht auf leisen Sohlen daher und mag Musik durchaus auch, wenn sie laut ist.

Elizardes präziser Kontrabass klingt warm und überwiegend unaufgeregt. Sein beseeltes Solo wiederum ist unglaublich energiegeladen und der Bass plötzlich irgendwie melodisch.

In selbstloser „Hingabe an ein Unbedingtes“ (Adorno) inszeniert das Trio ein fein austariertes Gesamtkunstwerk zwischen Kontemplation und Explosion. Musikalische Interaktion auf höchstem Niveau, die völlig unprätentiös daherkommt. Hier gehts ausschließlich um die gemeinsame Sache. Ein sensationeller Abschluss der Jazzwoche. Begeistertes Publikum spendet ebensolchen Applaus.

Von Matthias Pfannkuche

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