Danke zur Tanke: Der Liedermacher Götz Widmann im Schlachthof

Nennt sich selbst ein Arschloch: Der prollige Musiker Götz Widmann. Archivfoto: Malmus

Kassel. Ein kantiges Liedermacher-Raubein verteilt Herzlichkeiten: „Vielen Dank, dass ihr trotz dieses unfassbaren Konkurrenzprogramms gekommen seid.“ Was Götz Widmann meinte, war klar: Das Halbfinale von Dortmund gegen Madrid lief am Mittwoch zeitgleich zu seinem Konzert.

Doch wer hätte das gedacht: Der Saal im Schlachthof war bestens gefüllt.

„Wunschkonzert“ heißt sein aktuelles Tour-Programm. Klingt etwas nach alten Fernsehshows, in denen ein bunter Strauß bekannter Melodien offeriert werden soll, hat aber mit dem Programm des 48-Jährigen, der gern den Proll raushängen lässt, nur wenig gemein.

Widmanns Lieder sind keine zarten Blumen, eher schon Kakteen, die er der Gesellschaft, der Moral und schonungslos auch sich selbst um die Ohren haut. Per Mail und im Schlachthof ausliegender Liste konnten sich seine Fans ihr eigenes Widmann-Konzert zusammenstellen.

„Ich bin ein Arschloch“, singt er in einem Stück und scheint das genauso ehrlich zu meinen wie seine Überzeugung: „Ich hab noch nie kapiert, warum man jemand gratuliert, der Vater wird.“

Der Satz stammt aus seinem Stück „Die postnatale Depression des Mannes“, das beim Wunschkonzert genauso dabei war wie „Proletarier sucht Frau“, sein Lied über „die Senkung der Arbeitsmoral“ oder sein „Danke an die Tanke“, wo man rund um die Uhr Alkohol bekommt.

Das überwiegend jüngere Publikum jubelt über jedes Stück und jeden Kommentar. Bemerkenswert eigentlich, denn seine Stimme klingt wie das Knarren einer Tür.

Und seine Texte wirken, als betrachte er das Leben zumeist durch die Klobrille oder Bierflasche. Dennoch oder gerade deswegen ist Widmann Kult. Als Vorband trat übrigens die Kölner Band Billy Rückwärts auf. Zwei junge Gitarristen und eine Geigerin – auch sie könnten mal Kult werden.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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