Alpin-Rocker Hubert von Goisern und Band begeisterten im Kasseler Kulturzelt

„Dann passt’s schoa“

Aus tiefem Innern: Hubert von Goisern zeigte im Kulturzelt starke Emotionen. Foto: Koch

Kassel. Wie er das schreit, wie er das singt. „I will leben“, dieser Song ist ihm Lebensmotto, wird ihm Hymne, und sein Publikum im ausverkauften Kasseler Kulturzelt stimmt ein: Bekenntnis zu einem ungeahnten Lebensgefühl. Nicht immer nur sich einschränken, sich bescheiden. An diesem Abend, bei dem die Berge und das Alpenglühen so nah sind, war die Ahnung für einen Augenblick da. Hubert von Goisern, alpiner Tausendsassa, legte die Fährte dafür aus mit lautstarkem, deftigem Rock und verführerischer Melancholie.

Akkordeon, Mundharmonika, Gitarre und Keyboard, dieser Hubert Achleitner aus dem österreichischen Goisern, dem er mit seinem Künstlernamen ein Denkmal gesetzt hat, wechselt die Instrumente wie die Stilrichtungen: Er mixt lässig zusammen, was scheinbar nicht zusammen gehört, und dann passt’s schoa. Eine Melange aus Rock und Alpen-Pop, aus Folklore und gefühligen Balladen. Mit seiner Band, Alex Pohn (Schlagzeug), Helmut Schartlmüller (Bass) und Severin Trogbacher (Gitarre), entführt der Klangbildmagier in eine Welt, die den Nordhessen wohl sehr fern und doch in diesen zweieinhalb Stunden sehr nah ist. Wenn Ihr die Worte nicht versteht, erklärt er seinem Publikum mit viel Charme und Witz, dann fügt einfach mit eurer Fantasie ein, was Ihr gerne mögt. So einfach ist das mit dem Österreichisch.

„EntwederUndOder“ heißt das neue Album von Hubert von Goisern, das er neben anderen Glanzpunkten aus seinem Repertoire vorstellt: Der schlaksige 59-Jährige mit dem Naturburschen-Image, dessen freche Moderationen fast kabarettreif sind, singt und schreit sich zu zwingend-treibenden und zärtlich-versonnenen Klängen in die Herzen seines begeisterten Publikums.  Mit seinem aktuellen Hit „Brenna tuat’s guat“ liefert er den ultimativen Song zum Zeit-Thema Geld, er jodelt sich zu süffigen Akkordeonklängen ins Goisern-Land, stürzt sich mit Hard-Rock-Rap in seinen Indianer-Song oder findet in seiner verblüffenden Adaption von Janis Joplins „Mercedes Benz“ zu einer ganz neuen Interpretation des Klassikers.

Nach dem Erdig-Deftigen mit Jodel-Einlagen, Almschellen-Geläut und kernigem „He, He“-Gesang verbreitet er mit seinen Balladen „Weit, weit weg“ und „Lebwohl“ Gänsehautfeeling. Goisern kann’s auch sanft. „Bloß nicht in die Depression abstürzen“, meint von Goisern, leitet geschickt den dramaturgischen Wechsel ein. Dann umkreisen sich zwei Instrumente, die Gitarre und das Akkordeon, bedrohlich, zwei Musiker in einem Zweikampf, sich herausfordernd, sich steigernd - hinreißend ist das performt. Energie und Spielfreude, die sich überträgt und nachwirkt. Euphorischer Applaus und zwei Zugaben. Es is wia’s is.

Von Juliane Sattler

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