Schlagerstar Hansi Hinterseer über seine Art von Volksmusik, den Druck der Öffentlichkeit und Ehekrisen

„Das ist eine heilbare Welt“

Seine Kindheit auf einer Kitzbüheler Alm ohne Strom und fließendes Wasser fand Hansi Hinterseer fantastisch. „Ich würde sie jedem Kind wünschen. Man vergisst nie, wo man herkommt“, sagt der ehemalige Skifahrer und heutige Schlagerstar. Bei seinem Auftritt in der Kasseler Eissporthalle mit dem Original Tiroler Echo am 29. Januar lässt er die Besucher deren Alltagssorgen vergessen. Wir sprachen mit dem 55-Jährigen.

Glückwunsch, Herr Hinterseer, Sie haben die 10 000 Karten für Ihre beiden Open-Air-Konzerte im nächsten Sommer in Kitzbühel innerhalb von zwölf Minuten verkauft. So etwas schaffen sonst nur internationale Popstars.

Hansi Hinterseer: Danke, aber ich muss das Kompliment an meine Mannschaft weitergeben. Die macht eine sehr gute Arbeit.

Seien Sie nicht so bescheiden. Die Leute kommen ja nicht nur wegen der Musik zu Ihnen. Sie wandern mit Ihnen durch die Bergwelt und pilgern anschließend gemeinsam in Ihre Heimatstadt. Das hat etwas Religiöses. Sind Sie für Ihre Fans ein Messias?

Hinterseer: Bitte, hören Sie mit so etwas auf. Schreiben Sie das bloß nicht. Ich bin nur ein Künstler, der versucht, die Fans in seine Arbeit einzubinden. Das funktioniert, weil die Menschen meine Musik mögen und die wunderschöne Berglandschaft.

Sie gelten als Volksmusik-Star, aber eigentlich machen Sie ja Schlager mit Dialekt. Wie bezeichnen Sie Ihre Musik?

Hinterseer: Ich mag diese Schubladen nicht. Wichtig ist nur, dass die Musik Freude bringt - ob es HipHop, Rock’n’Roll oder Soul ist. Ich habe den Vorteil, dass ich die Berge in meine Lieder mit einbauen kann. Das ist keine heile Welt, sondern eine heilbare Welt, wie ich immer sage. Die heile Welt gibt es auch bei uns in Kitzbühel nicht mehr. Aber wenn ich von der Landschaft oder anderen schönen Dingen singe, ist das gut für die Seele. So wie es gut tut, wenn man einen Sonnenuntergang anschaut.

Das klingt sympathisch. Trotzdem reagieren viele genervt, wenn von Hansi Hinterseer die Rede ist. Warum polarisieren Sie so?

Hinterseer: Vielleicht wegen des Erfolgs. Wer gut ist, der hat viele Neider. Ich bin da anders. Wenn ich im Fernsehen jemand sehe, der mir nicht gefällt, dann schalte ich ab - ganz einfach. Aber manche Journalisten müssen halt immer auf denjenigen rumhacken, die ihnen nicht gefallen. Mittlerweile kann ich damit umgehen.

Haben Sie das während Ihrer Karriere als Sportler gelernt?

Hinterseer: Ja, 1976 bei Olympia in Innsbruck war ich der Top-Favorit im Slalom und Riesenslalom. Wegen einer Schulterverletzung konnte ich die Erwartungen nicht erfüllen. Manche Reaktionen, die dann kamen, waren sehr böse. Das hat geschmerzt. Als junger Sportler fragt man sich: „Was habe ich bloß verbrochen?“

Der Druck in der Öffentlichkeit ist groß. Als sich der depressive Fußballer Robert Enke im November das Leben nahm, sagten alle, jetzt muss sich was ändern. Glauben Sie daran?

Hinterseer: Ehrlich gesagt nicht. Da müsst ihr Journalisten euch auch an die eigene Nase fassen. Es ist immer leicht, negative Sachen über einen zu schreiben. Die Welt bleibt eine brutal harte Welt.

Liest man deswegen in der Boulevardpresse immer wieder über angebliche Ehekrisen und Geliebte von Ihnen? Eigentlich gelten Sie ja als skandalfrei.

Hinterseer: Das Wort Boulevard sagt doch alles. Ich habe gelernt, mit so etwas umzugehen. Wichtig ist, dass die Familie zu einem steht.

Hansi Hinterseer und das Original Tiroler Echo: Freitag, 29. Januar, 20 Uhr, Eissporthalle Kassel. Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

Von Matthias Lohr

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