Dirk Schwarze über den verstorbenen Künstler Richard Hamilton und was er für Kassel bedeutet

„Das Etikett Pop-Art gefiel ihm“

Kunst im Raum: Richard Hamilton in seinem Kasseler documenta-Beitrag „Seven Rooms“ (Sieben Räume) von 1997. Foto: Koch

Kassel. Der britische Künstler Richard Hamilton, der am Dienstag im Alter von 89 Jahren starb, gehörte zu den prägenden Gestalten der zeitgenössischen Kunst. Wir sprachen mit dem Kunstjournalisten Dirk Schwarze über den dreifachen documenta-Künstler.

Herr Schwarze, was macht die Bedeutung Richard Hamiltons aus?

Dirk Schwarze: Hamilton war lange unterschätzt. Das ist mir erst mit René Blocks Hamilton-Ausstellung 2000 in Kassel, einer nachträglichen Ehrung zum Arnold-Bode-Preis von 1997, bewusst geworden. Seine Bedeutung liegt darin, dass er in seinen Arbeiten systematisch das Verhältnis von Bild und Raum untersucht hat. Das hängt damit zusammen, dass er zunächst in der Werbung gearbeitet und Ausstellungen gestaltet hat.

Hamilton, der vielfach hoch geehrt wurde, hat den Kasseler Arnold-Bode-Preis für seinen Beitrag zur documenta X mit dem Titel „Seven Rooms“ bekommen. Was zeichnet diese Arbeit aus?

Schwarze: Ich glaube, dass diese Verleihung des Bode-Preises die treffendste an einen documenta-Künstler war, weil „Seven Rooms“ die Quintessenz von Hamiltons Arbeit darstellt, was die Durchdringung von Malerei, Fotografie und Raum angeht.

Können Sie die Arbeit kurz beschreiben?

Schwarze: Hamilton hat in einer Galerie, in der er ausstellen sollte, die leeren Wände fotografiert. Da hinein hat er Ansichten aus seinem Haus projiziert - eine Verquickung von innen und außen. Es sah also so aus, als würden die Bilder eine Ausstellung spiegeln, die es so nie gegeben hat. Gleichzeitig reflektierte Hamilton das Verhältnis von Fotografie und Malerei. Indem nämlich die Fotoarbeiten Bilder zeigten, die in Teilen wieder übermalt wurden.

Das ist ein viel komplexeres Verfahren, als man es bei einem Vertreter der Pop-Art vermuten würde.

Schwarze: Diese Verquickung gehörte schon zu Hamiltons Arbeit, als er 1956 sein legendäres Bild „Just what is it that makes today’s homes so different, so appealing?“ schuf, das zur Ikone der Pop-Art wurde. Denn auch dieses Bild war Teil einer Rauminstallation, wurde später aber immer davon losgelöst betrachtet.

Wie stand Richard Hamilton zum Etikett Pop-Art?

Schwarze: Es hat ihm gefallen, damit zu spielen. Er hat ja viel mit Collagen gearbeitet, und er hat dafür gern die digitale Technik genutzt.

Kann man Hamiltons Kunst in Kassel bewundern?

Schwarze: Ein Bild aus den „Seven Rooms“ wurde mithilfe der documenta-Foundation angekauft. Es sollte in der wiedereröffneten Neuen Galerie gezeigt werden.

Von Werner Fritsch

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